Houston, wir haben ein Problem!

Wir haben uns schon vor der Reise fest vorgenommen, regelmäßig (das heißt, fast täglich) das Auto zu checken, bevor wir losfahren. Reifen, Kühlwasser und Ölstand, da wir fast jeden Tag weite Strecken fahren und das dann auch noch bei zur Zeit ~35 – 40°C, wollen wir eigentlich nichts riskieren. Schließlich soll unser Red Beast bis nach Kanada durchhalten. „Kein Problem!“, meinte der Chevy-Händler noch beim letzten Service vor der Abfahrt. Und wir sind bisher sehr zufrieden. Das Auto fährt sich mehr wie ein Schiff (und hat auch so viel Ladekapazität) und so schaukeln wir meistens durch die Gegend. Und zur Not können wir darin sogar schlafen:

Genug Platz für uns beide – ein bisschen zu kurz für mich

Das ist meistens aber ein bisschen mühsam, weil wir sowohl Kofferraum als auch Rückbank komplett freiräumen müssen, um uns hinzulegen. Und dann zum Fahren wieder alles zurück. Sehr, sehr mühsam, gar nicht wie Urlaub.

Am wenigsten Aufwand, was den Schlafplatz angeht, haben wir bisher im South Llano River State Park betrieben: Wir haben einfach unsere Hängematten aufgespannt und uns dort Schlafen gelegt. Ab und an haben uns zwar die Gürteltiere ein bisschen aufgeschreckt und wir haben am Morgen ein bisschen gefroren, aber an sich ist das eine schöne Art, draußen zu schlafen.

Hallo Gürteltierchen, bitte nicht so laut rascheln, danke!

Bevor wir die Gürteltiere als Bettnachbarn hatten, sind wir aber noch in der Zivilisation abgestiegen. Nach der Swamp Tour und New Orleans haben wir für eine Nacht in Houston gehalten, um von dort aus für ein paar Stunden nach Galveston Beach zu fahren.. Houston als Stadt war uns zu groß, zu unpersönlich und zu uninteressant (sorry, Houston). Vor allem nach dem eher enttäuschenden New Orleans waren wir deshalb viel mehr auf Austin gespannt. Dort hat es uns tatsächlich so gut gefallen, dass wir gleich zwei mal unsere Unterkunft verlängert haben. Austin liegt am Colorado River, der dort drei künstliche Seen bildet, es gibt unglaublich leckeres Eis und die größte urbane Fledermauskolonie der Welt (was man im direkten Umfeld auch riecht).

Was die Leute hier so in ihrer Freizeit machen…

Hier haben wir uns treiben lassen, sind durch die Stadt und am Lady Bird Lake entlang gelaufen, haben am See gegessen und uns einen oder zwei Drinks bei Whisler’s gegönnt. Von hier aus haben wir uns dann auf den Weg zum South Llano River gemacht, auf halber Strecke wieder umgedreht, um meinen Pass aus der Bar zu holen, wo er die Nacht perfekt getarnt auf dem Tresen verbracht hat, um dann abends bei unseren Gürteltiernachbarn einzutreffen.

Als wir am nächsten Tag noch eine kurze Strecke des Flusses schwimmen wollten, stellte sich das bald als fataler Fehler heraus: Nicht umsonst, werden hier aufblasbare Reifen angeboten, um diesen Abschnitt zu bewältigen: Die meiste Zeit, ist das Wasser zu flach, um zu schwimmen und meine Füße danken es mir heute noch, dass ich gefühlt meilenweit auf glitschigen Kieselsteinen gewatet bin. Alles kein Problem, denn irgendwann hatten wir den schönsten Schwimmabschnitt erreicht, den wir ca. 6 Sekunden genießen konnten, bevor uns die potentiell bissigen Schildkröten aufgefallen sind, die uns umzingelt hatten. Irgendwann haben wir aufgegeben und sind die restliche Strecke wieder an Land zwischen den Kakteen herumgestiefelt.

Wo ist denn jetzt das Problem? Warum ist euer Auto auf einem Abschleppwagen zu sehen?

Na gut, lange genug um den heißen Brei herumgeredet. Als wir die Gürteltiere hinter uns gelassen hatten, war unser nächstes Ziel eigentlich ein kleiner Park bei Carlsbad, NM. Neuer Bundesstaat, neue Zeitzone, neue Landschaft. Der Weg dahin war zwar weit, aber Carlsbad war auch nur ein Zwischenstopp auf unserem Weg zum White Sands National Monument. Unser Red Beast durchkreuzte mit einem akuten Fall von Inkontinenz unsere Pläne: Ziemlich direkt, nachdem Tine das Steuer von mir übernommen hatte, verlor sie nämlich ihr gesamtes Kühlwasser und war auch durch Nachfüllen nicht zufriedenzustellen. Der Abschleppwagen, den wir dann rufen mussten, würde ungefähr 1,5 Stunden bis zu uns brauchen und da keine AAA-Partner-Werkstatt im Umkreis von 160 km zu finden war, durften wir uns selbst eine aussuchen. Hier waren wir direkt froh, uns für die Mitgliedschaft bei AAA entschieden zu haben, inklusive 100-Meilen-Abschleppdistanz.

Nachdem wir es uns also unter einer Brücke eingerichtet hatten, haben wir Ravioli gekocht, mit einer Werkstatt in San Angelo (65 Meilen entfernt) telefoniert und eine Unterkunft gebucht. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten fand uns dann endlich unser Abschlepper, verlud uns und unser Auto und nahm uns mit. Dort angekommen, wurden wir von einem Verkäufer aus der Werkstatt zum Schwimmen eingeladen, wir bekamen eine erste inoffizielle Diagnose und wurden zum Hotel gefahren. Die Reparatur war am nächsten Vormittag erledigt, der Kühlerbehälter und ein Schlauch ausgetauscht und wir um eine Hand voll Dollars ärmer.

Ansonsten hat unser Red Beast uns aber bisher noch nicht im Stich gelassen und uns nach unserem kurzen Umweg sicher weiter geführt. Im Brantley Lake State Park waren unsere Bettnachbarn haufenweise Hasen, von dort haben wir es pünktlich zum Sonnenuntergang auf die weißen Dünen geschafft:

Einen für mich ganz besonderen Zwischenstopp haben wir dann noch in der trockenen Hochebene bei Socorro, NM eingelegt. Dort stehen in einer speziellen Anordnung 27 Radioteleskope, um in der Abgeschiedenheit dort ins Weltall rauszuhorchen. Das Very Large Array ist kombiniert das weltweit größte Radioteleskop und generiert täglich ca. 1 Terabyte an Informationen, die spektakuläre und interessante Einblicke in unser Universum ermöglichen.

Radioteleskop von hinten

Und jetzt? Haben wir Texas verlassen, New Mexico durchquert und machen eine Verschnaufspause in Arizona. Wir sind auf einem Campingplatz direkt am Wasser, haben uns vor 2 Tagen sogar noch ein Zelt gegönnt und genießen die Ruhe, während wir versuchen, alles aufzuschreiben, was wir seitdem erlebt haben. Tine sammelt Fotos von unseren diversen tierischen Nachbarn und kümmert sich um Unterkünfte. Bald kommen wir zu den Nationalparks, auf die wir uns schon richtig freuen: Bryce, Grand Canyon, und und und. Wir sind schon fast an der Westküste, verwirrt von den Zeitzonen, die sich teilweise an die Sommerzeit halten und teilweise wiederum nicht. Wir vergessen ständig, welcher Wochentag ist und müssen vom Zelt aus erst mal ein paar Minuten bis zur nächsten Toilette laufen (und erst dort haben wir auch wieder WLAN). Keine Spam-Anrufe, kein Handy-Empfang, kein Problem. Und jetzt gehen wir gleich baden. Und essen. Vielleicht auch noch ein Mittagsschlaf…

4 Kommentare bei „Houston, wir haben ein Problem!“

  1. Ihr schreibt Spitze.Macht Spaß euern Block zu lesen.Ma

  2. Hallo, wieder schöner Beitrag bis auf die Panne. Diese Ecke bisher kannten wir noch nicht.
    Jetzt fahrt Ihr zu den Caynon. Wunderschöne Ecke. Weiterhin alles Gute ohne Panne!
    Grüße 0+0

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