Kalt, kälter, Grand Canyon

Wie soll ich hier nur anfangen? Wo haben wir denn aufgehört? In Arizona glaube ich, Sedona, um genauer zu sein. Wir verlieren manchmal ein bisschen den Überblick. In welchem Bundesstaat sind wir gerade? Wann haben wir das letzte mal nicht gezeltet? Wo war das nochmal, als wir an diesem Stausee in der Wüste geschlafen haben? Wann haben wir überhaupt ein Zelt gekauft? Wie kalt oder warm wird es in den nächsten Tagen? Wieviel Uhr ist gerade hier? Und in Deutschland? In welcher Zeitzone sind wir denn jetzt? Gilt hier Sommerzeit? Fragt uns nicht nach Wochentagen, die meisten Läden haben jeden Tag geöffnet und die Zeltplätze sowieso. Es ist eigentlich auch nicht so wichtig. Als ich noch in Vollzeit gearbeitet habe, wusste ich sogar, welche Kalenderwoche gerade ist, jetzt gerade weiß ich ohne Google nicht einmal, in welchem Bundesstaat  der USA ich mir gerade die Nase abfriere.

Kalt kalt kalt kalt kalt kalt

Moment mal, denkt ihr jetzt. Wieso frieren? Ihr seid doch im Frühling losgezogen, aufgebrochen in Richtung California, Sunshine State, und euer Kühler ist doch bei gefühlten 50 Grad im Schatten geplatzt. Wieso friert ihr denn jetzt auf einmal? Stellt euch doch nicht so an.

Doch, wir stellen uns an. Und unsere Haare stellen sich auf, als wir bei knappen 8 Grad im Zelt beim Grand Canyon aufwachen. Wer noch nie bei 8 Grad gezeltet hat, weiß nicht, wovon wir reden, kann sich aber gerne zur Nachempfindung für eine Nacht in seinen Kühlschrank legen. Doch der Reihe nach:

Ganz oben im Canyon wird die Wanderung am spannendsten

Zuletzt haben wir uns aus Arizona gemeldet, wo wir im wunderschönen Sedona 3 mal im damals relativ neuen Zelt genächtigt haben. Mit Zeltplatz direkt am Fluss, mehr oder weniger warmen Duschen und großem Elan für unsere ersten „richtigen“ Wanderungen. Dort sind wir entlang eines kleinen Bergflusses einen Canyon hochgelaufen, haben den Fluss im Zuge dessen 13 mal pro Weg überquert und uns am Abend mit Pizza belohnt. Wir sind zu einem Berg gefahren, um die Sonne über dem Flughafen untergehen zu sehen, nur um den falschen Weg zu erwischen und 3 Kilometer (anstatt 800 Meter) in Flip-Flops am Berg entlang zu wandern, bis wir gemerkt haben, dass der Flughafen auf dem Berg selber ist, und man vom Flughafen aus die Aussicht über das Tal hat…Weil wir so schlau sind…

Ausblick vom South Rim

Am Allerwichtigsten jedoch: Wir haben einen Gang zurück geschalten und uns selbst gebremst. Während wir noch diskutierten, ob wir jetzt zum Nord- oder zum Südrand des Grand Canyons fahren wollen, ist uns aufgefallen, dass wir ja gar keinen Zeitdruck haben und einfach beides machen können. Und das haben wir dann auch getan. Wir sind zuerst zum Südrand des Canyons gefahren, weil das näher lag und haben uns fest vorgenommen, um 6 Uhr morgens loszufahren, damit wir den später ankommenden Menschenmassen zuvorkommen können. Als wir dann strikt nach Plan um 7 Uhr den Campingplatz verlassen hatten, waren wir auch dementsprechend aufgeregt. Tine war ein bisschen skeptisch („Wie toll sollen ein paar Felsen und Schluchten schon aussehen?“). Bis wir dann an der Kante standen. Worte können das, was man hier sieht, nicht beschreiben, Bilder und Videos sind unzulänglich. Der Nationalpark ist extrem gut ausgebaut, sodass man mehrere Kilometer am Rand des Canyons entlang laufen und immer wieder auch mit einem gratis Shuttlebus größere Distanzen fahren kann.

Vom Südrand des Canyons ging es dann am selben Tag noch zum Horseshoe Bend, wo der Colorado River sich in einer 240°-Kurve um die Felsen schlängelt. Vom Parkplatz geht es dort über einen sandigen Hügel zu einer spektakulären Aussicht. Vor dieser Kulisse haben wir den Sonnenuntergang genossen, wobei uns die Sonne eher geblendet hat. Vormittags ist hier definitiv die bessere Zeit. Wir haben uns noch im Walmart mit Internet und Essen vergnügt, Unterkünfte gebucht und die nächsten Tage geplant, bevor wir uns dann auf den Weg zum Campingplatz machten. Nach so einem langen Tag waren die 1,5 Stunden im Auto bei völliger Dunkelheit kein Zuckerschlecken, vor allem, weil dort in Abständen von gefühlt 100m immer mal wieder Rehe am Straßenrand  als potentielle Unfallgegner bereitstehen.

Einfach mal abhängen

Trotzdem sind wir gut angekommen, haben im Dunkeln unser Zelt aufgebaut und die in weiser Voraussicht gekauften Kuscheldecken eingeweiht. In der Nacht verflüchtigen sich nämlich die 30°C gerne mal zu nur noch 8°C und am meisten litt darunter meine Nase. Es war wirklich saukalt. Aber das gehört wohl einfach zum Camping dazu. Als Belohnung konnten wir dann recht zügig am nächsten Nachmittag zum Nordrand des Canyon fahren, die Aussicht von dort genießen und eher kleinere Spaziergänge unternehmen.

Weil wir so viele Fotos bei unseren Wanderungen unternommen haben, haben wir diese bei Flickr in diverse Alben gepackt, wo ihr euch noch mehr unserer Bilder anschauen könnt. Zum Grand Canyon muss aber jeder trotzdem selber mal fahren – es lohnt sich! Und wem es nicht zu kalt ist, dem können wir sogar einen Campingplatz empfehlen 😉


Grand Canyon auf Flickr:

Grand Canyon

Sedona und Umgebung auf Flickr:

Sedona

5 Kommentare bei „Kalt, kälter, Grand Canyon“

  1. Pirmin, Dein Bericht ist wieder toll. Den Grand Canyon muss man selber gesehen haben. Diese Farben !!!! und die Berge. Schlängelt sich der schmale Canyon durch. Bei uns damals war fast kein Wasser darin . Euch Beiden weiterhin schöne Ausflüge und Berichte – ohne zittern.
    Liebe Grüße

    0+0

    1. Hallo ihr Lieben,
      vielen Dank für eure netten Worte. Wir haben den Colorado mit Wasser gesehen und dieser kleine Wasserlauf in diesen gigantischen Bergen war schon etwas besonderes!

      Liebe Grüße
      Pirmin

  2. Ich kann mich nur anschliessen…toller Beitrag…doch mal über einen neuen Beruf nachdenken!!!!
    Wir fandens damals einfach nur grandios…und man mus es definitiv selber sehen!!!!!!!!!!
    Schön, dass ich jetzt weiß wie meine Tochter über die paar Klamotten und Felsen denkt…für mich als ehemaliger Geologe einfach nur toooooooooooolllll!!!
    Viel Spaß euch noch und genießt es nur richtig…unsere kälteste Nacht war im Wohnmobil auch bei 8 Grad und wir haben auch gefroren wie die Schneider. Liebe Grüße J+M

    1. Vielen Dank! Vielleicht ist es auch als Hobby schon ganz gut, mir gefällt es auf jeden Fall 🙂
      Selbst als Nicht-Geologe fand ich die paar Felsen ganz schön spannend und auch sehenswert. Wir sind ja mit warmen Kuscheldecken ausgerüstet, müssen also nicht mehr so viel frieren und in Kalifornien wird uns Nachts vermutlich eher die Hitze zu schaffen machen 🙂
      Liebe Grüße
      Pirmin

  3. […] müsste ich schon fast mit einem „was bisher geschah“ starten, wie es die TV-Serien immer machen. Aber das sprengt den Rahmen und kann jederzeit […]

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.