Beeindruckend, beeindruckender, Yosemite

Blick ins Yosemite Tal vom Tunnel View aus

Dass wir den Yosemite Nationalpark besuchen wollten, war von Anfang an klar. Ist er doch einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der USA. Nur wann und für wie lange, das stand noch im wunderschönen Sternenhimmel, den wir bereits ein paar Mal während unserer Reise gesehen hatten. Nun war es also endlich soweit. Nachdem wir schweren Herzens und mit vielen wunderschönen Eindrücken Big Sur und die Westküste verlassen hatten, kamen wir spät abends (ca. 23.30 Uhr) bei unserer Ankunft an und erhielten den ersten Dämpfer. Da wir den Tag ausgiebig an der Westküste verbracht und einen Zwischenstopp im Walmart eingelegt hatten, wurde es recht spät. Kein Problem, dachten wir uns, waren wir ja auch bei manch anderen Campingplätzen erst recht spät abends angereist. Doch nicht so easy-peasy, dachte sich unsere Unterkunft Yosemite Lakes RV Resort. Man kann wohl zwar bis 22.30 Uhr einchecken, aber wer zu spät kommt, darf sein Zelt gegenüber vom Office aufschlagen und dort die Nacht verbringen. Das hat uns erst einmal ziemlich geärgert, da man diese Info auch vorher klar kommunizieren könnte (spätestens in der Bestätigungsmail, wo alles möglich andere drin stand). Wir hatten keine Ahnung, wo die nächsten Toiletten waren. Erfreulicherweise kam etwas später ein Mitarbeiter, der für die Sicherheit auf dem Campingplatz verantwortlich ist. Er hat uns auch nochmal erklärt, dass wir erst am nächsten Morgen einchecken könnten und wo die nächsten Toiletten sind (glücklicherweise etwas versteckt neben dem Office). Damit hatten wir also alles, was wir für den Abend brauchten. Am nächsten Morgen bin ich dann zum Check-In gegangen. Den Abend davor waren wir noch der Meinung, uns ist in typisch deutscher Manier erst einmal beschweren und darüber aufregen zu müssen und die erste Nacht auf GAR KEINEN FALL zu bezahlen. Eine Nacht darüber geschlafen, sah es schon anders aus, da wir ja alles hatten, was wir brauchten. Also habe ich nix gesagt, nur geäußert, dass ich müde bin. Nach kurzer Abklärung, dass wir erst spät abends ankamen und gegenüber gezeltet hatten, meinte der Mitarbeiter sofort, dass wir für die eine Nacht natürlich nichts bezahlen müssen. Ende gut, alles gut und wieder einmal gelernt, dass die Uhren hier etwas anders ticken und es manchmal besser ist, sich nicht sofort zu beschweren, sondern einfach entspannt zu bleiben.

Holzbrücke führt über den Fluss durch den Campingplatz
Hier lässt es sich aushalten

Wir hatten einen bestimmten Bereich auf dem Campingplatz gebucht, in diesem durften wir uns unseren Platz selber aussuchen. Das war super. Wir wählten einen Platz direkt am Fluss und an einer kleinen Holzbrücke, über die man schnell zum Office und dem Hauptbereich gelangte. Natürlich hatten wir auch geschaut, dass wir ein paar Bäume hatten, um unsere Hängematten aufzuspannen. Blieben wir ja schließlich noch 2 Nächte dort. Dann holten wir erst einmal noch etwas Schlaf nach, da wir auch im Reiseführer gelesen hatten, dass es sinnvoller ist, früh morgens oder erst nach 17 Uhr wieder in den Park zu fahren, um den Menschenmassen ein wenig zu entgehen. Wir haben uns schon bewusst für einen Besuch unter der Woche entschieden, dennoch hatte wir keine Ahnung, was uns in der Hauptsaison erwartete und waren auf das Schlimmste eingestellt (spätestens seit Sequoia Nationalpark). Aber Pustekuchen, keine kilometerlange Schlange um überhaupt in den Park zu kommen, kein Problem einen Parkplatz zu finden.  Wir fuhren zuerst zum Glacier Point, da er von unserem Campingplatz aus am weitesten entfernt ist und wir uns dann am nächsten Tag auf die Erkundungen und Wanderungen im Tal konzentrieren konnten. Bereits bei der Fahrt in und durch den Nationalpark kam man aus dem Staunen kaum noch heraus. Wir kannten die Bilder, aber alles live zu sehen, ist doch nochmal eine andere Hausnummer. Mit offenen Mündern fuhren wir also zum Glacier Point auf 2.200 m Höhe und freuten uns, endlich im Yosemite zu sein. Beim Aussichtspunkt angekommen, läuft man noch ein kurzes Stück und hat dann einen beeindruckenden Blick auf den Half Dome, ins Tal, auf die Vernal und Nevada Wasserfälle – einfach auf (fast) alles. Eigentlich wollten wir erst noch zum Tunnel View und uns von dort den Sonnenuntergang anschauen, aber als wir daran vorbei fuhren, war schon seeehr viel los. Spontan haben wir uns dann auf dem Parkplatz am Glacier Point etwas zu Essen gekocht und von dort oben den Sonnenuntergang angesehen. Besser kann der Tag nicht enden.

Sonnenuntergang und Aufstieg über Stufen zum Vernal Wasserfall, Blick auf den Half Dome
Das Alpenglühen auf dem Half Dome, vom Glacier Point aus

Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Der Zauberlehrling, Johann Wolfgang von Goethe (1797)

Spätestens als wir die Aussicht vom Glacier Point genossen, haben wir beschlossen, am nächsten Tag den Aufstieg zum Vernal Wasserfall und noch zum weiter oben gelegenen Nevada Wasserfall zu meistern. Beide Fälle werden vom Merced Fluss gespeist. Vor allem die Wanderung zum Vernal Fall ist sehr beliebt, weswegen wir tatsächlich mal sehr früh für unsere Verhältnisse aufgestanden sind (~ 6 Uhr). Im Half Dome Village konnten wir noch einen Parkplatz ergattern, haben dort erstmal gefrühstückt und dann ging es los. Man kann entweder mit dem kostenfreien Shuttlebus zum Startpunkt fahren oder in ca. 20 min auch selber zu Fuß dahin laufen. Wir haben letzteres gemacht und uns schon mal warmgelaufen. Es waren bereits recht viele Leute unterwegs, aber man kam noch gut in seinem eigenen Tempo voran.

Aufstieg über Stufen zum Vernal Wasserfall
Aufstieg zum Vernal Wasserfall

Der erste Anstieg war vermutlich noch steiler als der auf Angels Landing, dafür machte man in kurzer Zeit schon mal gut Höhe und hatte nebenbei ein schönes Beine-Po-Workout 🙂 Man kommt ziemlich nah an den Vernal Wasserfall heran und bekommt zum Teil auch eine erfrischende Sprühnebeldusche, die bei den Temperaturen und Anstrengungen richtig gut tat. Den weiteren Weg zum Nevada Wasserfall begehen schon deutlich weniger Leute, das war dann wirklich angenehm zu laufen, aber fast noch anstrengender als der erste Teil der Wanderung. Umso mehr freuten wir uns, als wir die Spitze des Wasserfalls erreichten und die Aussicht genossen. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen am Fluss, etwas abseits der Leute, spannten unsere Hängematten auf, stärkten uns und hielten eine gute Stunde Siesta. Herrlich! Den Rückweg wählten wir über den John Muir Trail, da er nicht ganz so steil, dadurch allerdings etwas länger war. Vor allem als wir unterhalb des Vernal Wasserfalls wieder auf den Hauptweg stießen und sahen, wie viele Leute noch den Aufstieg antraten, waren wir richtig froh, dass wir doch so recht früh losgegangen sind. Wieder beim Auto angekommen, hatten wir nicht mehr so viel Lust auf weitere Erkundungen. Die insgesamt 13 km lange und über 600 m hohe Wanderung reichte uns für den Tag und wir freuten uns schon darauf, am Campingplatz noch im Fluss baden zu gehen und den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Blick auf den Nevada Wasserfall
Kurz vor dem Ziel (Nevada Fall)

Am nächsten Morgen war ausschlafen angesagt, da wir „nur“ nach San Francisco fahren mussten. So ärgerlich der Start auf dem Campingplatz war, umso besser hat es uns dort insgesamt gefallen und dass er nur 5 Meilen vom Eingang zum Nationalpark entfernt ist, ist klasse. Wir hatten also noch Zeit ein drittes Mal in den Nationalpark zu düsen und die restlichen Aussichtspunkte zu besuchen, für die man keine großen Wanderungen unternehmen muss. So hielten wir am Tunnel View, sahen die Yosemite Wasserfälle und verbrachten unsere Mittagspause bei wunderschöner Aussicht am Valley View. Was für ein eindrücklicher Abschluss unseres Besuchs im Yosemite Nationalpark. Es fiel uns fast ein bisschen schwer, weiterzufahren, aber waren wir doch gespannt, was die Stadt der Hippies für uns bereit hält.

Blick ins Yosemite Tal vom Valley View Aussichtspunkt
Tschüss Yosemite, wir sehen uns auf jedenfall wieder (Valley View)

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4 Kommentare bei „Beeindruckend, beeindruckender, Yosemite“

  1. Wie, keine Adlerattacken, Grizzleybärsichtungen oder sonstige Yeties, die sich auf euer Essen stürzen? Einfach nur Bäume und Brücken und Wasserfälle? Ich muss sagen, ich bin schon ein bisschen enttäuscht. 😉 Wie gut, dass ihr die wilde Natur jetzt hinter euch lasst und endlich wieder die Zivilisation umarmt. Frisco.
    (Hatte da mit Lisgen mal eine lange Debatte drüber, ob man es so nennen darf. Sie war für San Fran, was ich sehr hässlich finde. Ende vom Lied: ich hatte natürlich Recht. 😉 Denn: “ Spitzname: City by the Bay, Fog City, Frisco, San Fran, The City.“ Aber Obacht – „Als bester Spitzname wird City by the Bay benannt; Fog City sei ein bei den Einwohnern beliebter Spitzname; Frisco sollte nicht benutzt und die Nutzung durch andere ignoriert werden; San Fran sei uncool und werde im Volksmund nicht verwendet.“ Na gut, halbwegs recht. ;P)

    Hier ist es immer noch ziemlich warm. Habt ihr denn vor, der Abwechslung halber mal wieder ins Meer zu hüpfen? So Gebirgsbäche und kristallklare Seen werden ja extrem überbewertet. Da ziehe ich eine wilde Brandungswelle, die meine Sonnenbrille klaut, bei weitem vor…

    Herzallerliebste Grüße auch an Pirmiiin

    1. Meine liebe Imen
      Es tut mir wirklich weh, festzustellen, dass selbst du schon an Gedächtnisschwächen leidest. ICH war nämlich bei dieser Diskussion dabei, da ich San Fran in den Raum geworfen habe und Lisgen Frisco. Hast du mich also schon so schnell vergessen und aus deinem Gedächtnis verdrängt? :(((((( Es sei schon Mal so viel verraten: Fog City ist mit Abstand der treffendste Name!

      Vielleicht hüpfen wir in einem der kommenden Beiträge mal wieder ins Meer? =P außerdem lasse ich mir nicht gerne Sonnenbrillen klauen, also lieber im gemütlichen Bergsee. Aber you will see 😉

      Allerliebste Grüße (das mit dem Herz überlege ich mir nochmal, nach deinem Fauxpas)

  2. Eberhard&Gudrun sagt: Kommentieren

    Hallöchen, Ihr habt wieder viele schöne Erlebnisse gehabt. Tolle Bilder. Vieles bekannt für uns.
    Hoffentlich treffen Euch nicht die großen Feuer. Auch hier einige Brände. Reifenlager in Senftenberg, verschiedene Waldbrände.
    Da werdet Ihr sicher eine großen Bogen drum machen. Wo macht Ihr rüber nach Canada???
    Liebe Grüße von 0+0

    1. Hallo ihr Zwei, wir versuchen die Waldbrände zu vermeiden. Ein paar Mal haben wir allerdings schon die Feuer gesehen. Im Yosemite hatten wir tatsächlich auch Glück. Als ich noch ein paar Dinge für den Beitrag recherchiert habe, habe ich heraus bekommen, dass ein paar Tage nachdem wir dort waren, auch ein größeres Feuer ausgebrochen ist und Teile im Park gesperrt sind. Von dem großen Brand bei Beelitz habe ich auch schon mitbekommen.
      Wir fahren auf direktem Weg von Seattle nach Vancouver.
      Ich hoffe, es geht euch gut.
      Liebe Grüße, Tine

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