Mehr Meer, mehr Tiere, mehr Natur (Teil 1)

Obwohl die USA unter anderem auch für ihre riesigen Vergnügungsparks bekannt sind, haben wir es bisher in keinen dort geschafft. Wir haben uns zwar überlegt, von Los Angeles aus in den Six-Flags-Park zu fahren, aber irgendwie ging die Zeit dann doch viel zu schnell rum, und wir sind auf einmal schon wieder auf der Straße. Nachdem wir viel mehr Zeit als ursprünglich geplant in LA verbracht haben, machen wir jetzt auf dem Weg nach Norden unsere eigene Achterbahnfahrt: Wir fahren kreuz und quer durch Kalifornien, vom Meer in die Berge und zurück, nur um dann wieder in die Berge zu fahren. Der Pacific Coastal Highway ist ohne Umleitung wegen eines Erdrutsches gesperrt und wir wollen den Yosemite National Park unbedingt unter der Woche besuchen – sonst ist da viel zu viel los!

Mehr Meer!

Also düsen wir zunächst an der Küste entlang, auf dem Weg zu unserem ersten Campground, das Meer immer wieder auf der linken Seite. Als Fahrer hat man hier eindeutig die bessere Aussicht. Wir fahren aus Versehen an Santa Barbara vorbei, zum Umdrehen ist keine Zeit. Vielleicht müssen wir einfach nochmal hierher kommen. Irgendwann. Momentan fahren wir aber gegen die Zeit: Wir müssen noch einkaufen, wir wollen noch an den Strand, und der Tag hat nur so wenig Stunden. Red Beast frisst Meile um Meile. Als wir am späten Nachmittag dann am Pismo Beach ankommen, ist von der groß angekündigten Hitzewelle nichts zu spüren. Der Pazifik ist kalt wie eh und je und der Wind am Strand macht die 19°C nur noch unangenehmer. Baden ist hier nicht wirklich drin, trotzdem gehen wir ans Wasser, wenigstens die Füße abkühlen. Die Wolken am Himmel versprechen einen wunderschönen Sonnenuntergang, auch wenn wir unser Camp eigentlich erreicht haben wollen, bevor es dunkel wird.

Der Himmel brennt!

Wegen des Verkehrs und der langen Strecke wird aber selbst das nichts und als der Himmel sich rot färbt und wir immer noch nicht da sind, wird Tine ganz hibbelig. Wir sind aber zum Glück nicht mehr allzu weit sowohl vom Meer als auch vom Campground entfernt und als wir aus dem Wald heraus an die Küste fahren, erschlägt uns der Sonnenuntergang mit einer Farbenpracht, die wir so auf unserem Trip noch nicht gesehen haben. Der gesamte Himmel ist blutrot und die Sonne steht als Scheibe direkt über dem Horizont. Nicht nur wir, gefühlt alle Menschen, die sich zur Zeit auf der Straße befinden, halten an, um Fotos zu schießen und dieses Spektakel zu genießen.

Unser Zelt bauen wir deshalb also doch im Dunkeln auf. Der eher primitive Campground im Hearst / San Simeon Lake State Park bietet mit seiner Abgeschiedenheit eine ideale Gelegenheit, wieder in Zeltstimmung zu kommen. Bei so einem Sternenhimmel ist man eigentlich froh, kein festes Dach über dem Kopf zu haben.

Mehr Tiere!

So richtig schlau gemacht über die Gegend haben wir uns vor unserer Ankunft nicht. Wir machen also vor Ort unsere Hausaufgaben, kurz bevor sie eingesammelt werden – wie damals in der Schule auch. Das Hearst Castle ist in der Nähe, ein Nachbau eines europäischen Schlosses mit teils extra eingeflogen Originalteilen. Ist aber für uns nicht ganz so spannend, wenn man bedenkt, dass wir vollständig authentische Schlösser und Burgen auch in der Heimat finden können. Eine Broschüre sticht aber doch ins Auge: Ganz in der Nähe gibt es einen geschützten Strand, an dem See-Elefanten leben. Kostet nichts und ist die Gelegenheit, die Tiere nicht im Zoo sondern in der Wildnis zu sehen. Also fahren wir kurz entschlossen weiter Richtung Norden. Eine Herde Pferde, die etwas seltsam aussehen, grasen auf einem Hügel direkt neben der Straße. Nur dass das keine Pferde sind, wie wir beim Näherkommen bemerken: Mitten in Kalifornien stehen am Straßenrand, keine 500 m vom Meer entfernt auf einmal Dutzende Zebras. Wir sind zwar einigermaßen erstaunt, finden aber ziemlich schnell heraus, dass diese ein Überbleibsel des ehemaligen Privatzoos von Hearst sind. Der Typ muss wirklich nicht mehr gewusst haben, was er mit seinem Geld noch alles anfangen soll.

See-Elefanten beim Chillen

Mit den See-Elefanten dagegen haben wir gerechnet und hier werden wir nicht enttäuscht. Man riecht die Tiere schon vom Parkplatz aus und als wir dann vor dem Strand sehen, liegen da tatsächlich einige grunzende und schnaufende Exemplare. Die machen eigentlich genau das, was wir auch gerne tun würden: Sie liegen im Sand, schaufeln sich ab und zu etwas davon zur Abkühlung auf die Wampe und schnarchen vor sich hin. So ein Leben müsste man haben…Haben wir aber nicht. Wir armen, bedauernswerten Touristen müssen leider noch weiter, damit wir es auch noch in den Sequoia National Park schaffen. Schließlich sind wir nicht zum Vergnügen hier…also eigentlich schon, aber, egal. Ihr wisst, was ich meine.

Mehr Natur!

Kurze Verschnaufspause für Red Beast dank Baustelle

Wir verabschieden uns also von den Tieren und vom Meer, um nach unserem langen Aufenthalt in der Stadt endlich wieder voll in die Natur einzutauchen: Die größten Bäume der Welt. Bis wir dahin kommen, ist es noch hell, also holen wir die Badepartie von gestern nach. Zwar nur im Pool, aber besser als gar kein Wasser ist es allemal.  Am nächsten Tag geht es dann schon in den Nationalpark. Dafür muss Red Beast einige Serpentinen und Höhenmeter bezwingen, inklusive Baustelle und kleinem Stau, sowie die Durchfahrt durch die Four Guardsmen. Laut Internet aber kein Vergleich mit dem, was am Wochenende im Yosemite los ist.

Der Baum mit dem meisten Holz der Welt

Wir finden sogar noch einen Parkplatz, der recht günstig liegt und laufen direkt zum größten Baum der Welt. General Sherman ist zwar weder der höchste Baum noch der mit dem größten Umfang, in Sachen Holzmenge kann es aber bisher kein anderer mit ihm aufnehmen. Auch mit seinen läppischen 2.200 Jahren ist er wohl nicht einmal der älteste, aber dennoch einen Besuch wert. Auch die Redwoods, die dort in der Nähe wachsen, wirken einfach zu groß um echt zu sein. Der ganze Wald duftet dafür unglaublich nach Pinien und Holz, während wir trotz der Höhenlage auf >2.000 m bei mehr als 35°C doch ganz schön ins Schwitzen kommen, als wir uns wieder an den Aufstieg machen. Am unangenehmsten sind vor allem hier, aber auch in anderen Nationalparks, leider die anderen Besucher. Absperrungen werden für den nächsten Selfie einfach überklettert, Pflanzen niedergetrampelt und Holz und Redwood-Zapfen eingesammelt und mitgenommen – trotz der Verbotsschilder. Manchmal muss man sich fragen, ob wir als Gesellschaft so etwas schönes wie die Nationalparks überhaupt verdient haben, oder ob man die nicht lieber komplett schließen sollte, bis wir lernen, mit ihnen sorgfältig umzugehen.

Natürliche Pools sind immer noch die besten!

Mit dem Shuttlebus geht es nach einer Picknickpause am Auto ganz ans Ende des Parks. Dort lockt eine schöne Wanderung am Wasser entlang bis zu einem Wasserfall mit (mehr oder weniger) geheimem natürlichem Pool. Wir sind beide ein bisschen außer Form, brauchen also länger als geplant. Dafür ist die Abkühlung am Ende eine Belohnung für sich. Ich muss mich zwar ein bisschen zwingen, in das kalte Wasser zu springen, aber wenn man dann mal drin ist, geht es sogar echt (für 2 Minuten). Auf den Felsen tanken wir noch ein bisschen Sonne, bevor wir zum Wanderweg zurückklettern. Dank der Erfrischung geht es zurück viel schneller als auf dem Hinweg. Nicht, dass uns das irgendetwas nützen würde, wie wir bald bemerken sollen: Vor unserer Nase fährt der letzte Shuttlebus des Tages in Richtung unseres Autos davon. Die Sonne geht bald unter und wir sind beide nicht wirklich motiviert, nochmal ein paar Kilometer durch den Wald zu spazieren, bevor wir uns dann auf die 1,5-stündige Rückfahrt zum Zeltplatz machen. Wir haben aber Glück im Unglück: Als wir einen Park Ranger fragen, ob das wirklich der letzte Bus war, bietet er uns an, uns nach seiner Schicht zu unserem Auto zu fahren.

Also stöbern wir noch eine halbe Stunde im Gift Shop nach Aufnähern für unsere Rucksäcke, genießen ein Eis und haben schließlich unseren ganz eigenen Taxiservice zum Auto. Im Sequoia bestand unsere erste richtige Chance, die nächsten Tiere auf meiner Wunschliste zu sehen: Schwarzbären. Überall hängen Warnschilder, man solle kein offenes Essen im Rucksack oder Auto haben, Abstand halten und aufmerksam sein. Und obwohl ich die Augen offen halte, kann ich keinen einzigen Bären sehen. Unser Ranger meint, dass er diese Woche auch noch keine gesehen hat, aber dass ich einfach weiter Ausschau halten muss, es gibt wohl in den Bergen bis hoch nach Kanada noch genügend davon.

Und weiter? Wir müssen tatsächlich wieder zurück – zurück ans Meer in unserem Zick-Zack-Kurs. Dazu gibt es dann in 2 Tagen mehr!


Galerie mit allen Fotos aufrufen


7 Kommentare bei „Mehr Meer, mehr Tiere, mehr Natur (Teil 1)“

  1. Hallo ihr Lieben ♥, es ist auch heute wieder sehr spannend eure Geschichten zu lesen und die Fotos anzuschauen. Ich „leide“ manchmal mit euch mit und finde es immer wieder toll zu lesen, dass und was für Lösungen es gibt.☺️ Und dass es immer Menschen gibt, die ganz unkompliziert für andere Menschen da sind. Die Erde ist ein wunderbarer . Liebi Grüessli us Aichen Mum und Thomas

    1. Wir finden auch, dass die Erde ein wunderbarer Ort ist und in den letzten Monaten haben wir fast ausschließlich nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Trotzdem musst du bei den nächsten Beiträgen vermutlich nicht so viel leiden, weil wir ausnahmsweise mal keine Busse verpasst haben 🙂
      Liebe Grüße vom nordwestlichsten Zipfel der USA
      Pirmin

  2. Eberhard&Gudrun sagt: Kommentieren

    Hallöchen, da habt Ihr ja wieder tolle Erlebnisse gehabt. In dem Yousemite mit den hohen Bäumen waren wir auch. Das war ja ein ganz toller Sonnenuntergang und tolle Aufnahmen.
    Solche haben wir in Südafrika auch erlebt. Wohin fahrt Ihr zurück ans Meer? San Franzisko oder LA?
    Ja die Erde ist wunderbar an allen Ecken und man findet immer freundliche Helfer.Danke dem Ranger!
    Weiterhin schöne Erlebnisse und danke dem Schreiber.
    Liebe Güße
    0+0

    1. Hallo ihr zwei,
      ja, das war wirklich extrem toll und hat uns super gefallen. Ich glaube wir wollen beide auch irgendwann mal wieder zurück um die Gegend noch mehr zu erkunden!
      von Yosemite aus sind wir weiter nach San Francisco gefahren, wir müssen ja doch weiter nach Norden.
      Liebe Grüße in das heiße Deutschland,
      Pirmin

  3. […] Wer den ersten Teil dieses Beitrags noch nicht gelesen hat, dem sei er hiermit wärmstens empfohlen! […]

  4. […] was uns in der Hauptsaison erwartete und waren auf das Schlimmste eingestellt (spätestens seit Sequoia Nationalpark). Aber Pustekuchen, keine kilometerlange Schlange um überhaupt in den Park zu kommen, kein Problem […]

  5. […] kennt, weiß: Eine läppische Woche ist gar nichts, wenn es um Unterkünfte geht. Auf unserer Achterbahnfahrt durch Kalifornien sind wir also ständig (=sobald wir Internet haben) auf der Suche nach […]

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