Mehr Meer, mehr Tiere, mehr Natur (Teil 2)

Wer den ersten Teil dieses Beitrags noch nicht gelesen hat, dem sei er hiermit wärmstens empfohlen!

Mehr Meer – schon wieder!

So grandios sieht die Küste in Kalifornien aus

Schweren Herzens verlassen wir also am nächsten Morgen die Wälder wieder, um erneut ans Meer zu fahren. Diesmal halten wir uns weiter nördlich, um von Monterey aus an der Küste entlang nach Süden in den Big Sur National Park zu fahren. Weiter südlich ist die Straße nach einem Erdrutsch gesperrt, weshalb uns der direkte Weg ohnehin versperrt gewesen wäre, und wir brauchen diesen zusätzlichen Tag, um nicht am Wochenende im Yosemite zu sein. Mutter Natur spielt uns also in die Hände. Dass Big Sur schön sein soll, haben wir schon vorher gelesen, und alles, was wir sehen, bestätigt das nur noch. Der Highway 1 schlängelt sich mal direkt am Strand, mal hoch an den Steilküsten entlang und Brücken überqueren tiefe Canyons, die direkt ins Meer münden. Sandstrand, Felsen und Wälder wechseln sich ab und die Seeluft bläst uns teilweise so heftig um die Ohren, dass wir die Autotüren mit aller Kraft aufdrücken müssen. Am Campground angekommen, zünden wir uns direkt ein Lagerfeuer an , bevor wir uns ans Kochen machen. Dabei fallen uns unsere direkten Nachbarn auf, die einen Hund und eine Gitarre dabei haben. Als sich Joshua später zu uns gesellt, hat er Bier dabei und er spielt uns am Feuer Beatles-Songs auf Deutsch vor. Überhaupt sind Songtexte das einzige Deutsch, das er kann, aber dafür, dass er das vor mehr als 20 Jahren in der Schule gelernt hat, ist es doch ganz beeindruckend.

Sie liebt mich, ja, ja, ja…

Joshua beim Beatles covern

Die Einladung, mit ihm an der Gitarre und seiner Frau am Akkordion eine kleine Jam-Session am nächsten Abend zu machen, müssen wir leider ausschlagen. An diesem schnuckeligen Örtchen haben wir nur eine Nacht gebucht und wir wollen am nächsten morgen früh aufstehen, um so viel wie möglich vom Tag zu haben.

Ganz alleine und ohne anstehen

Mit Kaffee und Tee im Magen (und sonst nichts) nehmen wir also früh am nächsten Morgen unsere erste Etappe in Angriff: Die Wanderung auf den Aussichtspunkt des Tals, die sich schlangenartig an der Nordseite hochwindet. Durch die frühe Uhrzeit ist die Hitze nicht so schlimm und wir sind tatsächlich ganz alleine am Aussichtspunkt. Auf dem Weg gibt es sogar noch ein paar Redwoods – jene Riesenbäume, die wir auch schon im Sequoia gesehen haben. Dank der frühen Stunde ist hier aber nichts los, und wir können ganz in Ruhe auch ein Foto machen.

Nach einem schnellen Abstieg gibt es dann Frühstück und wir machen uns auf den Weg zum Pfeiffer Beach, einem kleinen, versteckten Strand, der am Ende einer schmalen Straße liegt, die sich ein paar Kilometer die Küste hinunterschlängelt. Vom Parkplatz läuft man an einem Bach durch ein Zedernwäldchen, bis man auf einmal mitten im Sand steht. Für den Eintritt zum Strand (=State Park) haben wir unser letztes Münzgeld zusammengekratzt, weil man nicht mit Karte bezahlen kann, aber die Aussicht ist es auf jeden Fall wert. Wir laufen barfuß durch den feinen Sand, klettern auf den Felsen herum, die dem Strand vorgelagert, vom Wasser um- und unterspült werden. Die Brandung läuft in mehrere kleine Felstunnel, die das Wasser bereits gegraben hat und an einer Stelle ist sogar ein Torbogen in einer Felswand entstanden, durch den im Winter der Sonnenuntergang hindurchglüht.

Wo Wasser so überall durchkommt

Mehr Tiere!

Weil der Wind uns aber ständig den Sand in alle möglichen Öffnungen bläst, ziehen wir relativ bald auch wieder weiter – nicht nachdem wir aber noch ein bisschen an der sandigen Küste herumgekraxelt sind. Unser nächster Halt wartet schon: Von unserem Reiseführer geleitet, fahren wir in das Point Lobos State Reserve, das wir sonst wohl gar nicht richtig bemerkt hätten. Hier erfahren wir beim Bezahlen, dass der Eintritt in einen State Park zum Eintritt in alle anderen State Parks am selben Tag berechtigt. Für den Erhalt der Natur dort haben wir also unfreiwillig ein paar Dollar zu viel ausgegeben. An sich nicht weiter schlimm, aber dass wir gerade kein Bargeld mehr haben, werden wir später noch bereuen. Im Reserve gibt es einen kleinen Rundweg an der Küste, von dem aus man Seelöwen beobachten kann, die sich auf kleinen Felsinseln tummeln. Völlig überraschend sehen wir auch einen Delphin, der direkt vor unseren Augen eine kleine Showeinlage gibt, bevor er wieder abtaucht. Nur See-Otter sehen wir keine, obwohl diese dort auch leben sollen. Mit bloßen Auge ist es aber auch schwierig, einen im Seetang perfekt getarnten Otter zu entdecken. Am kleinen Gift Shop erfahren wir, dass dort gratis Ferngläser verliehen werden und ein Besucher, der gerade eins zurückbringt, erzählt, dass er auf einem anderen Rundweg Otter und einen Hai gesehen hat. Wir schnappen uns also direkt ein Fernglas und ich laufe auf einmal hochmotiviert den Weg entlang, auf den ich bis gerade eben noch gar keine Lust hatte. Und tatsächlich, in der benachbarten Bucht tummeln sich 5-10 See-Otter, von denen besonders einer Spaß daran zu haben scheint, sich die ganze Zeit herumzuwälzen. Vermutlich Ganz bestimmt könnten wir beide Stunden damit verbringen, den Tieren zuzusehen.

WAL – DA BLÄST ER!

Ich, mehrmals an diesem Tag

Wir zwingen uns dann aber doch noch dazu, weiter zu gehen, denn insgeheim hege ich noch eine kleine Hoffnung: Wenn ich schon keine Bären sehen kann, dann wenigstens doch Wale. Auch wenn die Wanderungszeit schon lange vorbei ist, halten sich anscheinend ganzjährig Wale in den Gewässern vor Monterey auf – auch weil dort ein Naturschutzgebiet vor der Küste eingerichtet wurde. Während Tine also damit beschäftigt ist, Fotos vom Meer zu machen und die Seelöwen zu beobachten, suche ich den Horizont nach kleinen Gischtwolken ab, die Wale beim Blasen verursachen. Als ich dann tatsächlich welche entdecke und mir einer der Wale durch das Fernglas sogar mit der Schwanzflosse zuwinkt, bin zumindest ich total aufgeregt. Wir zeigen später einem älteren Ehepaar noch, wo und wie sie die Wale entdecken können und sehen mit bloßem Auge, wie sich ein Wal in die Luft katapultiert und dann zurück ins Wasser fallen lässt. Jetzt bin ich glücklich. In Vancouver werden wir hoffentlich noch mehr Wale aus größerer Nähe erleben, aber das sind die ersten, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe! Nachdem wir dann auf dem Rückweg noch zwei Otter sehen, die Händchen haltend im Seetang treiben, sind wir uns einig: Das war einer der schönsten Tage am Meer!

Der heiß begehrte Aufnäher!

Von hier wollen wir auch ein Andenken in Form von Rucksack-Aufnähern mitnehmen (da ist nämlich ein Otter drauf), man kann aber leider nur Bar bezahlen und das ist ja gerade ein Problem. Deshalb müssen wir aus dem Reserve raus fahren und einen Geldautomaten suchen. Bei einem kleinen Gift-Shop in der Nähe kann man sich beim Einkauf auch Bargeld auszahlen lassen, also suchen wir uns dort schon Aufnäher aus und gönnen uns ein Eis – nur um zu merken, dass unsere europäischen Karten uns leider kein Bargeld auszahlen möchten. Also müssen wir weiter, eine Bank suchen, durch Baustellen und einen Stau durch, und das alles am besten, bevor der kleine Shop im Park schließt. Tine hat sich gegen Eventualitäten gesichert und sich im Gift-Shop schon einen Otter-Patch besorgt, aber ich bin doch auf ihn angewiesen, vor allem, weil die Einnahmen den Ottern zugute kommen. Nach einer halbstündigen Achterbahn der Gefühle bin ich aber allen Schwierigkeiten zum Trotz im Besitz meines Aufnähers, der Tag ist gerettet.

Hier waren zwei der Otter – leider zu weit weg für die Kamera

Mehr Natur!

Gerade jetzt würden wir uns wünschen, noch mehr Zeit in dieser Gegend verbringen zu können, sie vielleicht auch mal im Frühling oder Herbst zu erleben und wir wissen beide: Hierher werden wir nochmal zurück kommen! Vorerst geht es aber erst mal weiter auf unserer Achterbahnfahrt: Wir fahren wieder nach Osten, weg vom Meer und hin zum meistbesuchten Nationalpark der USA: Yosemite National Park!


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5 Kommentare bei „Mehr Meer, mehr Tiere, mehr Natur (Teil 2)“

  1. Mehr Meer – kann ich nachvollziehen. Wer aber kein Meer hat, der nimmt den Rhein. So wie ich jetzt wieder. Tiere gibt’s da nicht so viele, aber derzeit Flussmusiker und Dudelsackspieler und Top Secret-Trommler. Also not bad, oder was?! 😛

    Ganz liebe Grüße aus der Ferne

    1. Ein neuer Kommentar von Imen – wir freuen uns immer, wenn eine solche Imel im Postfach landet 😉 (Wortwitz des Jahres, hallo?)
      Tiere gibt es vermutlich im Rhein genug, du siehst die ganzen Fische unter dir nur nicht. Dudelsack und Trommler am Rhein ist aber auch top, fast das Highlight des Jahres, oder?
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Pirmin

  2. Hallo ihr Lieben,
    Was für schöne Fotos und wieder mal ein unvergessliches Erlebnis mit euch miterlebt. Vielen lieben Dank dass ihr uns auf diese Weise daran Teil haben lässt.
    Ganz liebe Grüße aus Aichen
    Mum &TJ

    1. Hallo ihr Lieben,

      vielen Dank! Uns macht es unglaublich viel Spaß, euch so auf die Reise mitzunehmen und überall, wo wir sind, daran zu denken, dass wir das alles mit euch teilen können!

      Ganz viele liebe Grüße nach Aichen,
      Pirmin und Tine

  3. […] läppische Woche ist gar nichts, wenn es um Unterkünfte geht. Auf unserer Achterbahnfahrt durch Kalifornien sind wir also ständig (=sobald wir Internet haben) auf der Suche nach irgendetwas, was innerhalb […]

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