San Francisco – mit und ohne Blumen schön

Da sind wir also. In San Francisco. Also nicht direkt. Wir sind in Oakland und suchen einen Parkplatz. Oakland liegt in der East Bay, also östlich von San Francisco innerhalb der Bucht auf dem Festland. Der geneigte Leser fragt sich jetzt: Wieso fahren die denn nach Oakland, wenn sie doch nach San Francisco wollen? Ganz einfach, weil wir wir sind: Wir haben natürlich viel zu spät angefangen, nach Unterkünften zu schauen, weil wir eigentlich nie mehr als eine Woche im Voraus wissen, wann wir wo sein werden. Und wer San Francisco kennt, weiß: Eine läppische Woche ist gar nichts, wenn es um Unterkünfte geht. Auf unserer Achterbahnfahrt durch Kalifornien sind wir also ständig (=sobald wir Internet haben) auf der Suche nach irgendetwas, was innerhalb unseres Budgets und einem Radius von 50 km liegt. Das gestaltet sich dann aber durchaus schwierig.

If you are going to San Francisco…

Wer meint, wir wären zu anspruchsvoll, dem sei hier gesagt, dass über das Wochenende ein Hostelbett im Achterzimmer gerne mal über $100 kostet. Nach längerer Suche finden wir also ein Zimmer in Oakland, das einigermaßen bezahlbar und nicht allzu weit vom BART (das örtliche S-Bahn-Netz) liegt. Erst nach der Buchung fällt uns dann ein, dass wir gar nicht geschaut haben, ob wir unser Auto dort auch parken können. Eine kurze Nachfrage ergibt aber, dass Parken an der Straße kein Problem und kostenlos ist. Perfekt. Das Zimmer haben wir übrigens im Walmart gebucht, kurz nachdem wir über die Kreuzung gefahren sind, an der James Dean seinen tödlichen Unfall hatte. Vorbildlich wie wir sind, haben wir natürlich nicht während der Fahrt nach Unterkünften gesucht 😉

…you’re gonna meet…

So konzentrieren wir uns dann auf Sequoia und Yosemite, mit dem Wissen, dass wir für San Francisco erst einmal abgedeckt sind. Als wir von Süden her an der Küste entlang fahren und zum ersten mal die Skyline vor uns sehen, bringt Tine meine Playlist durcheinander und mogelt direkt Scott McKenzie in die Lautsprecher. Bei strahlendem Sonnenschein und guter Musik finden wir dann schnell auch die Adresse, unter der wir für die nächsten Tage wohnhaft sein werden. Street Parking ist kein Problem? Vermutlich nicht, wenn man früh morgens kommt. Wir sind aber nach Feierabend da, weshalb wohl alle Berufstätigen schon wieder Zuhause sind und die Parkplätze belegen. Dazu kommt noch, dass bestimme Abschnitte stundenweise gesperrt sind, weil da die Kehrmaschine durchmuss. Herbert Grönemeyer drängt sich auf (Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz einmal schreiben werde…).

Oakland ist aber auch ganz schön

…some gentle people there…

Über Couchsurfing bin ich durch verschiedene Whatsapp-Gruppen in Kontakt mit anderen Reisenden und Menschen, die in San Francisco und Umgebung wohnen. Von denen bekommen wir erste Tipps, auch wenn Tine schon ihre ganz eigenen Vorstellungen davon hat, was sie in der Hippie-Stadt alles erleben möchte. Den ersten Tag vertrödeln wir aber dennoch großteils in der WG, suchen Wohnungen für Vancouver, erkundigen uns wegen Jobs und genießen generell, mal wieder einigermaßen verlässliches Internet zu haben. Wir finden heraus, dass am Abend in einer Bar in der Nähe interessante Live-Musik geboten wird, und beschließen, dort abends noch hinzugehen. Als wir es dann endlich mal aus der Bude schaffen, sind wir beide schon wieder hungrig – so hungrig, dass wir 50m vor der BART-Station an einem Food-Truck-Festival hängen bleiben. Dort gibt es leckeres Essen und als wir dann gerade gehen wollen, erfahren wir, dass andere Couchsurfer auch gerade dort sind. Also treffen wir uns mit Mike und Alex, die uns nochmal enorm viele Tipps für San Francisco, Portland und Vancouver geben. Später kommt noch Stephan aus Deutschland hinzu und unsere ursprünglichen Pläne stehen kurz vor dem Scheitern: Nie im Leben schaffen wir es, noch nach San Francisco zu fahren und später noch in die Bar mit der Live-Musik zu gehen. Also beschließen wir kurzerhand, direkt in die Bar zu gehen. Wer braucht schon San Francisco?

…summertime…

Am nächsten Tag ist es dann aber doch soweit: Wir sind mit ein paar anderen verabredet und wollen alle gemeinsam mit dem Fahrrad an und über die Golden Gate Bridge fahren, eventuell mit kleiner Wanderung danach. Aber auch an diesem Morgen trödeln wir ein bisschen zu viel und als wir endlich los kommen, ergibt sich die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren: Seit einiger Zeit gibt es ein paar Anbieter, die kleine Elektroroller zur Kurzmiete anbieten. Einfach per App einen Scooter suchen, buchen und los fahren. Der Preis wird pro Minute berechnet und die kleinen Flitzer kommen auf bis zu 25 km/h. Glücklicherweise sind zwei davon in der Nähe, mit denen wir dann bis zum BART düsen können. Das macht mehr Spaß, als es sollte, vor allem, weil das nicht unbedingt ganz günstig ist und auch nicht nur auf Gegenliebe bei Anwohnern stößt. Die Dinger stehen und liegen nämlich je nach Region echt überall rum, vor allem im Weg. Wir stellen unsere Scooter aber brav neben einen Fahrradständer, fahren in die Stadt und gehen direkt zum Treffpunkt beim Ferry Building. Das liegt schon direkt am Wasser und drum herum findet gerade ein Markt mit Festivitäten zum französischen Nationalfeiertag statt. Nach längerem Suchen finden wir unsere Couchsurfer-Freunde, unter anderem Stephan, essen überteuerte und viel zu kleine Tacos und machen uns dann auf die Suche nach Fahrrädern. Auch die kann man hier per App buchen, sofern man denn welche findet. Die Sucherei lohnt sich eigentlich nur aus zwei Gründen: Die stundenweise Miete ist um einiges günstiger, als die ganzen Fahrradverleihe um uns herum und wir können uns E-Bikes mieten. Das stand schon immer auf meiner Liste und für diesen Ausflug ist ein E-Bike perfekt. Wir müssen trotzdem fast eine halbe Stunde laufen, bis wir an eine Station kommen, an der genügend vollgeladene Räder stehen, und so zieht sich der Nachmittag dann mit dem weiten Weg um die Halbinsel bis zur Golden Gate Bridge. Als wir sie dann (theoretisch) zum ersten Mal sehen können, ist fast die ganze Brücke im Nebel verhüllt. Hinfahren werden wir trotzdem, aber auf den Postkarten sieht das immer ein bisschen anders aus.

…will be a love-in there…

Finde die Brücke!

Auf der Brücke selbst ist der Nebel einfach nur nasser, kalter Wind, der einen bis auf die Knochen durchdringt. Davon lassen wir uns aber nicht aufhalten, überqueren die ganze Brücke und drehen dann um. Zumindest Tine und mir dauert das Warten auf die Fähre in Sausalito auf der anderen Seite zu lange, vor allem, weil wir heute noch nicht so richtig gegessen haben. Wir beide verabschieden uns also, düsen zurück und halten erstmal auf einen Donut-Laden zu, der recht zentral gelegen ist und uns empfohlen wurde. Zwischen uns und den heiß ersehnten Donuts steht dann nur noch eine Verkäuferin, die uns nur kurz ihre halbe Lebensgeschichte erzählt und uns um Rat fragt, von dem wir nicht wissen, wie der aussehen könnte. Follow your heart?! Die Donuts lösen dementsprechend auch keins unserer Probleme. Sie sind erstens gar nicht so lecker und zweitens bei unserem Hunger nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Selbst mit E-Bike sind 25 km eine ganz ordentliche Strecke – und es ist ja nicht so, dass man bergauf gar nichts machen müsste. Also suchen wir uns ein schnuckeliges Diner, essen dort zu abend und fahren dann nach Hause. Um diese Uhrzeit gibt es dann leider keine Scooter mehr, also müssen wir vom BART aus dann tatsächlich wieder laufen.

…gentle people…

Die schönste Skyline bis jetzt

Weil die Golden Gate Bridge gestern so ein Reinfall war, beschließen wir, die gleiche Tour am nächsten Tag nochmal zu machen – nur ein bisschen zügiger. Als Gruppe ist man halt immer ein bisschen langsamer und heute haben wir mal keine Verabredungen. Also düsen wir wieder mit Scootern zum BART, holen uns Räder und erkunden erst mal so die Stadt. Wir gehen zu einem anderen Donut-Laden, der uns kurz vor Ladenschluss noch 2 Donuts extra in die Tüte packt, spazieren durch die Balmy Alley mit ihren vielen Wandgemälden und fahren dann einmal quer durch die Stadt. Interessant an San Francisco ist nämlich, dass die Straßen trotz der vielen Hügel immer noch rasterartig angelegt sind. Und die steilsten davon sind mit dem Fahrrad einfach nicht zu machen. Wer einmal ein E-Bike schieben musste, weil der Berg zu steil war, weiß,  dass das enorm anstrengend werden kann.

Ein Wandgemälde in der Balmy Alley

Dafür wird man dann aber immer wieder unerwartet mit Aussichten über die Stadt und steilen Abfahrten belohnt. Wir besuchen die Painted Ladies, eine reihe schnuckeliger viktorianischer Häuser, die sich malerisch vor der Downtown mit den Hochhäusern aufreihen. Von dort aus geht es dann weiter in Richtung Market Street, eine der Haupteinkaufsstraßen und eine der wenigen, die diagonal verlaufen. Dort gibt es nämlich einen Decathlon. Wir brauchen ein neues Zelt.

…with flowers in their hair…

Nicht, dass unser altes Zelt kaputt wäre oder es nicht mehr tut: Für $35 haben wir gut darin geschlafen. Dass dieses Zelt aber mit den Wetterbedingungen weiter im Norden nicht wirklich zurecht kommen würde, war uns beim Kauf schon klar. Der Decathlon ist aber leider nur ein kleiner Pilot-Store mit begrenzter Auswahl, weshalb wir dort nicht wirklich fündig werden. Ein Wurfzelt haben wir noch in Deutschland und das ist momentan einfach zu sperrig beim Transport. Unverrichteter Dinge ziehen wir also ab in Richtung Chinatown – das älteste von ganz Nordamerika. Dort bummeln wir ein bisschen, bevor wir uns wieder Fahrräder leihen, mit denen wir dann Richtung Golden Gate Bridge fahren – nicht ohne auf dem Weg noch bei der Lombard Street mit den vielen Serpentinen Halt zu machen.

Die Strecke bis zur Brücke machen wir heute gefühlt in der Hälfte der Zeit – was sicherlich daran liegt, dass unser Ziel heute nicht mehr im Nebel versteckt liegt. Deshalb können wir heute ein bisschen mehr knipsen und die Aussicht genießen. Gleichzeitig stehen wir aber auch unter Zeitdruck, weil wir am Abend noch ein Skype-Interview mit einer potentiellen Vermieterin in Vancouver haben. Dafür brauchen wir einigermaßen gutes Internet und einen ruhigen Ort. Bis zur Wohnung zurück schaffen wir es nämlich nicht mehr. Auch deshalb überspringen wir einen Besuch bei den Robben am Pier 39, nur um kurz nach der vereinbarten Zeit zu erfahren, dass die Wohnung jetzt doch schon vergeben ist. Was wir daraus lernen: Diese Art von Frust lässt sich super mit zwei Drinks und einem Burger bewältigen.

Morgen geht es für uns tatsächlich schon wieder weiter nach Norden, aber für heute Abend fallen wir beide einfach todmüde ins Bett.


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3 Kommentare bei „San Francisco – mit und ohne Blumen schön“

  1. Hallo! Tolle Aufnahmen und man sieht es geht Euch gut. Das ist uns sehr wichtig.
    Pier 39 ist eigentlich sehr interessant. Aber alles schafft Ihr nicht. Ist ja schön das Ihr von Pirmins Eltern noch das Auto behalten könnt. Hoffentlich klappt es , es mitzunehmen. Denn Canada und die USA stehen miteinander nicht auf guten Fuß. Na Ihr werdet es schon schaffen.
    Alles Gute weiterhin

    0+0

    1. Vielen Dank ihr beiden!
      Vielleicht müssen wir auch einfach nochmal zurück, um uns die schönsten Sachen nochmal anzuschauen…aber ja, alles kann man gar nicht schaffen.
      Das mit dem Auto und der Einreise nach Kanada hat ja mittlerweile geklappt, also ist auch hier alles im grünen Bereich!

      Liebe Grüße nach Deutschland,
      Pirmin

  2. […] ursprünglichen Plan abgewichen sind und den Aufenthalt gleich zwei mal verlängert haben. In San Francisco hätte ich rückblickend gesehen gerne etwas mehr Zeit verbracht und Portland hat mir von der […]

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