Entlang des Columbia River Gorges nach Portland

Blick in den Columbia River Gorge, Fluss und Bergen auf beiden Seiten

Wir kommen also in Cascade Locks am schönen Columbia River Gorge an. Unser Campground, wieder ein KOA (Überraschung!), liegt mitten im Wald – und leider direkt an den Bahngleisen. Als der erste Güterzug vorbeifährt, klingt es nicht nur als würde er mitten durch das Camp fahren, sondern habe vor allem ich mich erstmal gut erschrocken. Denn unglücklicherweise sind die Güterzüge in Oregon per Gesetz verpflichtet, kurz vor Bahnübergängen zu hupen. Und das machen sie nicht nur einmal, sondern gerne drei Mal und öfters – sicher ist ja gewissermaßen sicher. Nun hoffe vor allem ich, dass die Züge nachts nicht fahren, aber als selbst gegen Mitternacht immer noch Züge durchs Camp rollen, sinkt meine Hoffnung gegen Null. Erstaunlicherweise überstehe ich die Nacht dank Ohropax verhältnismäßig gut und bin tatsächlich wieder einmal von mir selbst überrascht.

Mensch in einer Hängematte im Wald
Einfach mal ein bisschen abhängen

Trostpreis sind dafür die vielen Bäume um uns herum. Wir werden noch im Laufe der Reise feststellen, dass wir dort die letzte Möglichkeit haben sollten, um unsere Hängematten aufzuhängen. Völlig nach dem First-come-first-serve-Prinzip sichere ich mir sofort nach der Ankunft den besseren Hängemattenplatz und lasse mich zufrieden in die Matte falle. Den Platz werde ich die nächsten 3 Tage nur unfreiwillig wieder verlassen. Tatsächlich kann ich mir ein Leben ohne meine Hängematte immer schwerer vorstellen. Im Nachhinein ist es auch etwas witzig, dass ich bei unserer Buchung extra noch angegeben habe, dass wir gerne einen schattigen Platz mit vielen Bäumen möchten. Wäre ich Mitarbeiter auf dem Campingplatz hätte ich mich über diese Anfrage köstlich amüsiert und mir gedacht „lass die Leute erst mal ankommen, dann werden sie sehen, dass der Extrawunsch völlig überflüssig war“.

Am Anreisetag machen wir nicht mehr so viel – außer im wahrsten Sinne abhängen. Den nächsten Tag gehen wir genauso gemütlich und entspannt an, kümmern uns ein wenig um unseren Blog (wie man hier ja merkt, hust) und genießen das nichts tun erholen uns von der langen Fahrt am Vortag. Am Abend überrede ich Pirmin noch zu einem kurzen Spaziergang am Fluss, um den Sonnenuntergang zu sehen. Danach kochen wir und machen ein kleines Lagerfeuer. Es ist doch abends recht kühl so mitten im Wald.

Sonne scheint durch den Wald, im Hintergrund sieht man einen Fluss und Berge
Kleiner Abendspaziergang

Am nächsten Tag sind wir wieder etwas aktiver unterwegs und fahren am Nachmittag auf die andere Seite des Columbia Rivers. Schwuppdiwupps sind wir auf einmal schon im Bundesstaat Washington. Leider ist auf der Oregon-Seite des Flusses ein ziemlich großer Bereich aufgrund eines Waldbrandes im vergangenen Jahr noch gesperrt. Und genau in diesem Gebiet sind natürlich die meisten Wanderungen, die uns interessiert haben. Klingt vielleicht nach Ausrede, aber wir haben halt einfach ein wenig Pech – und einen Grund mehr nochmal wiederzukommen. Also fahren wir auf die weniger betroffene Washington-Seite und suchen uns dort ein, zwei Wanderungen raus. Wir fahren entlang des Evergreen Highways kurz hinter den Ort Prindle, von wo aus der Cape Horn Loop Trail startet. Wir stellen später fest, dass wir ihn entgegengesetzt der meisten Leute gehen, aber teilweise dachten wir uns auch, dass es so herum vielleicht sogar besser war. Es geht immer wieder hoch und runter, hoch und runter. Am Rande des Wanderweges kann man eine Pause an einem kleinen Wasserfall einlegen. Wer möchte, kann dort sogar duschen gehen, da das Wasser tatsächlich eher „sanft“ herunterfällt. Wer also keinen Regenwaldduschkopf Zuhause hat, findet dort den perfekten natürlichen Ersatz. Mit ein paar schönen Aussichtspunkten ist der Wanderweg insgesamt nicht sehr spektakulär, aber zum Glück auch nicht sehr überlaufen. Nach gut 3 Stunden und ca. 11,5 km kehren wir ausgepowert zu unserem Auto zurück und haben beide keine Lust mehr auf weitere Wanderungen an dem Tag. Abgesehen davon, dass meine Knie eh schon gestreikt haben. Also schnell wieder zurück zum Campingplatz, kochen, Lagerfeuer an und in der Hängematte chillen.

Sehr bewachsener Wald, fast dschungelähnlich in Washington
Dschungel in Washington

Am Tag unserer Abreise versuchen wir dennoch auf der Oregon-Seite an ein paar Aussichtspunkten und Wasserfällen anzuhalten, die nicht gesperrt sind. Dabei merken wir bereits, dass es aufgrund der Sperrung von Osten aus gar nicht so einfach ist, dort hinzukommen. Von Westen her ist es einfacher und hält die vielen Portlander an einem Sonntag natürlich nicht davon ab, in die Natur zu fahren. Es war seeeehr voll und wir hatten schon nach kürzerer Zeit keine Lust mehr an jedem Wasserfall ca. 15 bis 30 min auf einen Parkplatz zu warten. Wir waren am Ende nur bei den Bridal Veil Falls. Davor hatten wir am Portland Women’s Forum Viewpoint gehalten, von wo aus man einen tollen Blick über den Columbia River Gorge hat. Dann fuhren wir weiter nach Portland, was nur ca. 30 min entfernt ist und haben noch den Saturdays Market besucht. Ja, dieser hat entgegen seines Namens auch sonntags geöffnet. 😉 Dort gab es viele lokale Aussteller, einige Foodtrucks mit sehr leckerem, günstigen Essen und Musikanten.

Gestärkt ging es zu unserem Airbnb, wo wir direkt von unserem Host Emerie begrüßt wurden. Noch mehr Beachtung schenkte uns allerdings sein treuer Mitbewohner Puck – der Garfield 2.0 kam uns sofort mauzend entgegen und bettelte um Aufmerksamkeit. Allerdings bitte nicht zu oft streicheln, denn nach drei Mal hatte er auch schon wieder genug. Um dann eine halbe Minute später wieder zu miauen. Man konnte es ihm wirklich nicht recht machen. In unserem Zimmer lag bereits eine Mappe, mit so vielen Tipps, das man locker zwei Wochen nur mit Essen und trinken gehen beschäftigt wäre. Nach einigem hin- und herblättern entschieden wir uns nicht direkt nach Portland Downtown zu gehen, sondern auf die andere Seite des Flusses, wo es zahlreiche Bars und Restaurants gibts. Da es sich bei Portland um die wohl weltbeste Bierstadt handelt und es dort mehr Brauereien in einer Stadt gibt, als irgendwo sonst auf der Welt, war ja wohl klar, womit wir den Abend starten würden. Das Auto war parkplatztechnisch gut versorgt und ein Tagesticket für den Nahverkehr kostet nur 5 Dollar. Perfekt!

im Vordergrund ein Bierglas, im Hintergrund ein Mann mit Sonnenbrille und Sonne im Nacken
Was macht man auch sonst in der Stadt der Biere

Zu erst sind wir ins Apex gegangen, wo wir noch draußen bei schönstem Wetter im Biergarten sitzen konnten. Passenderweise mit Weihenstephan-Sonnenschirmen. Nach 2 Getränkerunden kamen dann sehr schnell der Hunger. In der Mappe hatte Emerie u. a. von einem veganen Restaurant geschwärmt. Das wollten wir unbedingt testen, da es uns bisher nur selten gelungen ist, mal einen kompletten Tag vegetarisch zu essen. Im Sweet Hereafter gab es leckere Cocktails und leckeres Veggie-Essen. Hummus mit Baguette als Vorspeise, Pirmin hatte dann einen Burger und bei mir gab es eine Schüssel mit Tofu, Reis und Grünkohl. Letzteres war zwar nicht so unbedingt meins, der Tofu war dafür umso leckerer. Anschließend fuhren wir zu einer russischen Kneipe namens Kachinka, die ihre Drinks sehr sehr stark gemischt hatte. Leider wurde es gegenüber davon im Bit House Saloon nicht besser. Die Barkeeperin hatte unseren Cocktail noch nie zubereitet und war deshalb eher frei Schnauze unterwegs. Im Endeffekt wurden die Getränke mit jedem Lokal schlechter, dafür dann aber auch teurer. Doch ziemlich tipsy fuhren wir also lieber wieder in unsere Unterkunft.

Den nächsten Tag verbrachten wir komplett in Portland. Ausgeschlafen und in Ruhe aufgestanden, wollte ich unbedingt Thai essen gehen. In DER Mappe hatte ich nämlich von einem Foodtruck ganz in unserer Nähe gelesen, der sehr günstig sehr leckeres Essen anbietet. Und vor allem ich wurde nicht enttäuscht. Pirmin war nicht zu 100 % happy, ich war es dafür umso mehr. Ich bekam eine Riesenportion, die ich nicht mal annähernd schaffte und rollte kurze Zeit später nach Downtown. Dort wollten wir zu erst in DEN Buchladen Portlands: Powell’s City of Books. Der Laden befindet sich direkt im Pearl District in der Innenstadt, nimmt einen ganzen Häuserblock ein und besteht aus mehreren Etagen und unterschiedlichen Räumen mit verschiedenen Farben je Genre. Wir haben mindestens zwei Stunden dort verbracht – und hätten locker noch mehr Zeit dort verbringen können. Vor allem sollte man mal einen Blick in den Raum der seltenen Bücher werfen. Wer das nötige Kleingeld dabei hat, findet dort vielleicht ein nettes Andenken. Wir haben z. B. ein Buchset (2 Bücher) für  350.000 Dollar gesehen. Und uns dann doch lieber für die normalen Schmöker entschieden.

rot gestreifter Kater sitzt auf einem Fensterbrett und schaut in die Nacht
Der Ruf der Freiheit

Danach ging es mal wieder zu einer Brauerei, um anschließend etwas durch die Innenstadt schlendern. Nächstes Ziel auf unserer FressKulturreise durch Portland: Voodoo Doughnuts. Die gibt es in den unterschiedlichsten Konstellation, mit Oreos, Fruit Loops, Marmeladenfüllung, doppelter Schokolade.. Amerika, das Land der unbegrenzten (Doughnut-)Möglichkeiten. Anschließend wollten wir eigentlich für den Sonnenuntergang in den Washington Park. Als wir dort ankamen, war allerdings von der Sonne schon nichts mehr zu sehen. Da wir mittlerweile auch schon genug hatten, haben wir uns auf den Weg zu Puck und seinem Herrchen gemacht. Zuhause angekommen, haben wir relativ schnell festgestellt, dass der Kater seinen einen Lieblingsplatz in unserem Zimmer am offenen Fenster mit dem Fliegengitter hat. Er darf leider das Haus nicht verlassen, daher kann ich seine Sehnsucht schon nachvollziehen. Wenn er so am Fenster sitzt, denkt er bestimmt an seine Straßenkatertage in Mexiko zurück (dort hat ihn Emerie nämlich gerettet).

Den nächsten Vormittag verbringen wir im Rose Testing Garden im Washington Park. Eigentlich wollte ich auch gerne in den Japanese Garden, da er wohl einer der schönsten ausserhalb von Japan sein soll. Aber der Eintritt war uns dann doch zu hoch, also gab es nur Rosen für uns. Danach ging es noch ins Stepping Stone Cafe, was man eventuell aus Man vs Food kennen könnte. Uns hat es Lea aus Lörrach empfohlen. Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zum Olympic Nationalpark, waren ziemlich schnell in Washington (Portland liegt nur etwas südlich des Grenzflusses Columbia) und ein paar Stunden später endlich wieder am Meer. Aber davon das nächste Mal mehr.

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4 Kommentare bei „Entlang des Columbia River Gorges nach Portland“

  1. Hallöchen! Haben schon gespannt auf die neusten Beiträge gewartet. Auch die Bilder sind sehenswert. Hoffentlich kommt Ihr nicht kugelrund und um einige kilo mehr zurück.
    Ansonsten wieder viele schöne Erlebnisse.
    Da können wir nur von 4 Tagen Hanse Sail in Warnemünde berichten. War für unser Alter aber auch wieder schön.
    Also Ihr Lieben schöne Grüße und weiter so.
    0+0

  2. Hallo, wir haben es leider wieder ein bisschen schleifen lassen, weil wir ziemlich beschäftigt sind mit Wohnungs- und Jobsuche in Kanada. Wir versuchen aber, bald wieder auf dem neusten Stand zu sein!
    Warnemmünde klingt auch nicht schlecht, ging das wenigstens mit der Hitze?

    Schöne Grüße
    Pirmin

  3. Hallo, das ging mit der Hitze in Warnemünde, hatten am Sonnabend Sturm, so das die Schiffe und Stände nicht geöffnet bzw. fahren durften. Viel glück mit der W+A-suche!!!
    Danke Pirmin für die schnelle Antwort. Heute wieder 35+*:
    Es soll bald kühler werden aber kein Regen.
    Lb. Gr.o+o

  4. Hallo, es hat geregnet nach langer Zeit.Hier ist es so trocken, dass die Bäume ganze Äste abwerfen. Das nur so nebenbei . Lb. Gr.
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