Endlich angekommen – 6 Wochen später in Kanada

Schlucht mit Wasserfällen, Steinen und Bergen im Hintergrund

Hat jeder einen Tee/Kaffee, ein bisschen mehr Zeit und ein angenehmes Plätzchen? Das wird ein längerer Eintrag, da wir uns seit ein paar Wochen nicht mehr mit Updates gemeldet haben. Also, los gehts. Seattle war also unser letzter Stop in den USA. Also abgesehen von den kleineren Stops auf dem Weg nach Vancouver. Denn wir mussten noch einen Ölwechsel vornehmen und das Auto auf Vordermann bringen. Aber erst einmal ist Pirmin noch spontan mit mir zu Kurt Cobains Haus gefahren, das tatsächlich in der Nachbarschaft unseres Airbnbs ist. Die Info hatte unserer Host Ben uns allerdings erst am letzten Abend erzählt. Also schnell vorbeigefahren und dabei versucht einen Blick über die 3 Meter hohe Hecke zu werfen. Naja, viel hat man nicht gesehen, vielleicht sollten wir in Zukunft eher erzählen, dass wir in Kurts alter Nachbarschaft geschlafen haben und das so oft abändern, bis wir irgendwann „direkt nebenan wohnten“. Auf jedenfall zieht der Himmel zu und passender könnte das für einen Abschied nicht sein. Wir arbeiten also fleißig unsere to-do-Liste ab: letzte Postkarten kaufen, alle Dokumente für den Grenzübergang ausdrucken, Ölwechsel, Auto waschen, Mittagessen (ok, stand nicht drauf, ist aber auch wichtig!), Auto komplett ausräumen und wieder organisiert und übersichtlich einräumen. Wir schaffen es tatsächlich, dass die Rücksitzbank so gut wie leer ist. Dass das während der Reise mal passieren würde, grenzt fast an ein kleines Wunder.

„Welcome to beautiful British Columbia“

zwei Menschen vor dem Visitor Center an der kanadischen Grenze zu British Columbia
Wir haben es geschafft

Die letzten Kilometer durch Washington vergehen schnell, vor allem da das Kribbeln im Bauch im größer wird. An der Grenze angekommen, werden wir nervös – Was werden sie uns alles fragen? Wird es irgendwelche Probleme geben? Bitte lasst sie nicht das Auto durchsuchen wollen!! Selbst jetzt wo ich das schreibe, bekomme ich fast schon wieder schwitzige Hände, da ich mich sofort an das Gefühl in dem Moment erinnere. Aber zum Glück klappt alles, das Auto interessiert sie tatsächlich überhaupt nicht. Auch die Erklärungen, dass es Pirmins Papa gehört und wir es mit nach Kanada nehmen, veranlassen sie nicht, uns weiter darüber auszufragen. Wir müssen lediglich noch in ein Gebäude, wo wir von einem grimmigen Grenzbeamten noch ein paar mehr Fragen gestellt bekommen. Nachdem er alles geprüft hat und uns unsere A4-großen ausgedruckten Arbeitsgenehmigungen aushändigt bzw. in unseren Reisepass heftet, ist alles erledigt. Wir sind voller Freude und fahren in unsere neue Heimat für die nächsten Monate. Willkommen im wunderschönen British Columbia.

Hier mal ein paar Fakten zu unserer Reise:

  • gefahrene Kilometer durch die USA: 14.722,6 km
  • gesamte Kosten fürs Tanken: $1.962,37 (USD)
  • gesamte Kosten für Supermarkteinkäufe: $2090,14 (USD)
  • Anzahl der Übernachtungen ohne Dach (Camping): 34 Nächte
  • Anzahl der Übernachtungen mit Dach (Pirmins Familie/Hostel/Hotel/Airbnb): 49 Nächte
  • gesamte Kosten für die Übernachtungen: $3.022,69 (USD)

Die Fahrt in unser erstes Zuhause dauert nur noch eine gute halbe Stunde. Schnell sind wir angekommen, finden sofort einen Parkplatz und betreten das Haus durch den Garten. Unser Zimmer im Keller ist schnell gefunden, die große Dusche ist Liebe auf den ersten Blick und auch sonst haben wir erst einmal alles, was wir für die ersten Wochen in Vancouver benötigen. Das Haus ist insgesamt mindestens so interessant/speziell, wie das in der Mulsowstraße in Lörrach (für diejenigen, die das kennen). Von unserem Zimmer geht eine Tür zu einem anderen Apartment im Keller, das nicht direkt zu uns dazugehört. Wir sind natürlich neugierig und landen in der Wohnung von Jazmin und Ben – beide aus England. Jazmin haben wir erst einmal ziemlich überrascht, da diese Tür normalerweise immer verschlossen bleibt. Wir verstehen uns dennoch sofort gut mit ihr und bekommen die ersten Tipps für das Haus und Vancouver.

Die großen und kleinen Hürden der kanadischen Bürokratie

Am 2. Tag in Kanada sind wir zuallerst zum Service Canda gegangen – dort bekommt man normalerweise sofort seine Sozialversicherungsnummer (SIN). Ihr seht schon, dass das normalerweise kursiv geschrieben ist und das bestimmt einen Grund hat. Richtig, denn bei mir hat es nicht geklappt. Es kann mir keiner erklären, warum, es wird mehrmals versucht, aber der Computer spuckt meine Nummer einfach nicht aus. Die Mitarbeiter telefonieren mit den Grenzbeamten, werden auf einen Rückruf vertröstet und bitten mich, am nächsten Tag nochmal wiederzukommen, damit ich nicht unnötig lange warte. Gesagt, getan. Leider ohne Erfolg, es gibt immer noch irgendein Problem. Man erklärt mir, dass alle meine erforderlichen Dokumente in Kopie zur Zentrale geschickt und dort innerhalb von 21 Tagen bearbeitet werden und ich alles per Post zugeschickt bekommen. Kleiner Spoiler an dieser Stelle: Ich habe meine Nummer immer noch nicht, aber solche Informationen, dass man derzeit mit zusätzlichen 4 Wochen Bearbeitungsdauer rechnen muss, werden in Kanada leider intern nicht ausgetauscht. Also weiterhin warten bzw. halb illegal arbeiten.

Die (erste) Wohnungssuche

Aber darüber denke ich in dem Moment nicht nach, sondern stürze mich sofort mit Pirmin in die Job- bzw. auch Wohnungssuche. Denn wir haben unser Zimmer nur einen Monat bekommen, dann wird das Haus komplett dicht gemacht und irgendwann danach abgerissen/neu gebaut. Wir stellen nämlich ziemlich schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, ein neues Dach über unseren Köpfen zu finden. (Halb) übertrieben gesagt, verschickt man ca. 50 Anfragen, erhält etwa 15 Rückmeldungen (inklusiver Absagen) und darf sich am Ende 5 Wohnungen anschauen. Und wenn da noch etwas brauchbares dabei ist, ist das fast wie der Sechser im Lotto.

Umzugslastwagen in einer Seitenstraße mit zwei Menschen, die im Laster sitzen
Umzugstag in unser neues kanadisches Zuhause

Scheinbar sind wir glückliche Lottospieler, denn wir haben die Million gewonnen (oder so ähnlich). Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, finden wir ein großes Haus, in das wir uns von Anfang verlieben und mit drei supernetten Kanadiern in unserem Alter teilen. Was sie überzeugt hat, uns überhaupt kennenlernen zu wollen? – „Die beiden sind Deutsche, d. h. sie lieben Bier und sind organisiert“. Dank unseres einen Vermieters Matt, der ein Auslandssemester in Braunschweig verbracht hat, haben wir als Deutsche ziemlich gute Chancen. Wir verstehen uns mit allen von Anfang an gut und dürfen einziehen. Im Haus ist alles sehr offen gehalten, es gibt zwei Wohnzimmer, einen großen Garten, einen Bandraum (!) und eine große Küche. Die Anbindung an den Nahverkehr mit kurzer Distanz nach Downtown ist super! Wir verpflichten uns anfangs zwei Zimmer zu mieten, welche insgesamt etwas über unserem Budget liegen. Dafür haben wir mehr als genug Platz für unsere Besucher und auch die Möglichkeit das zweite Zimmer zum späteren Zeitpunkt weiterzuvermieten.

Die ersten Jobs

Bild eines Food Trucks, der Funnel Cakes anbietet
Tines Arbeitsplatz für 2,5 Wochen

Die Jobsuche ist da doch einiges einfacher. Wir schauen auf Craigslist, treten einer Facebook Gruppe für Jobs in Vancouver bei und laufen durch die Straßen, wo man überall Zettel in den Schaufenstern sieht. Pirmin bewirbt sich bei einer Buchladenkette namens Indigo, ich bewerbe mich für einen temporären Job auf einer Art Kirmes, die vom Zeitraum her perfekt passt. Relativ schnell durchlaufen wir die verschiedenen Prozedere und bekommen die Zusagen. Bei Pirmin dauert es zwar bis Ende August, dass es wirklich losgeht, ich starte bereits Mitte August und arbeitete bis Anfang September dort. Im Grunde war es eine einfache Arbeit in einem Foodtruck, der hauptsächlich Funnel Cakes anbietet und auch sonst vieles, was man sich frittiert vorstellen kann (Erdbeeren, Ananasringe, Oreos, Marsriegel usw). Entsprechend könnt ihr euch vielleicht vorstellen, welch dezenten Duft ich jeden Abend getragen habe, als ich heim kam. Am Anfang konnte ich mich selber so nicht riechen und musste sofort duschen gehen, irgendwann war es mir egal, da ich nach den Duschen meist eher wach als schläfrig war.

Die ersten Besucher

Green Lake in Whistler - türkisblauer See mit Bergen im Hintergrund
Green Lake in Whistler – Kanadas Bilderbuchparadies 

Gleich am Anfang haben wir schon die ersten Besucher in unserer neuen Wahlheimat begrüßen dürfen. Pirmins Familie ist aus Deutschland und den USA angereist. Wir waren zusammen in Whistler, haben Ausflüge nach Horseshoe Bay zum Whytecliff Park und mehrmals nach Lynn Canyon unternommen und allgemein Vancouver etwas besser kennengelernt. Vor allem stand der Fokus in der gemeinsamen Zeit, was richtig schön war und wir ziemlich genossen haben. Vor allem auch mal wieder andere Menschen als uns beide zu sehen. Das Wetter war glücklicherweise auch die meiste Zeit auf unserer Seite, so dass wir z. B. auf dem Weg nach Whistler und zurück die wunderschöne Aussicht auf die Berge, das Meer und die türkisblauen Flüsse und Seen genießen konnten. Erkenntnis an diesem Tag: Wir haben uns schon ein ziemlich schönes Fleckchen Erde für die nächsten Monate ausgesucht. 🙂

Lynn Canyon Park im Norden Vancouvers, türkisblaues Wasser mit Steinen darin und vom Bäumen umgeben
Wer möchte eine Runde im Lynn Canyon schwimmen gehen? (Achtung: kann sehr kalt sein!)

Ende August kamen auch noch Lisa (ehemalige Arbeitskollegin) und ihr Freund Simon nach Vancouver und mit den beiden haben wir die Stadt noch besser kennengelernt. Alleine an einem Tag sind wir ca. 19 km zu Fuß gelaufen, vor allem sehr viel durch den Stanley Park, die „grüne Lunge“ Vancouvers. Es ist beeindruckend, dass der Park mit seinen fast 405 Hektar immer noch in der Größe erhalten ist. Dadurch ist man aus Downtown schnell im Grünen und findet so viele Plätze zum erholen. Man hat eher die Qual der Wahl, ob man dafür ans Meer, einen der Strände, Seen oder mitten in den Wald gehen möchte. Wir müssen zugeben, dass wir am Anfang überhaupt nicht motiviert waren, etwas in der Stadt zu unternehmen. Wir waren einfach nur reisemüde. Mittlerweile haben wir schon einiges gesehen – auch wenn es fast einen Monat gedauert hat, dass ich meinem Papa das versprochene Video von der Dampfuhr schicken konnte. Vancouver gefällt uns insgesamt richtig gut und hat viele interessante, schöne und unterschiedliche Ecken.

Der erste Regen

Sonnenuntergang in Tofino
Sonnenuntergang in Tofino

Die vergangenen Wochen war Marcel (kennen wir von der Uni) zu Besuch und wir haben immer noch Sara und Thomas (Tomek, auch aus Uni-/WG-Zeiten) bei uns. Mit den 3 waren wir bereits für ein paar Tage auf Vancouver Island. In der Nähe von Tofino und Ucluelet waren wir ein paar Mal wandern (Rainforest Trail und Wild Pacific Trail), haben Sonnenuntergänge vom Strand aus betrachtet, zu teures Essen gegessen, leider keine Seeotter oder Wale gesehen, aber dafür viel  wunderschöne Natur. Leider fing es am 3. Tag an zu regnen, wie gut, dass wir dann bereits in Victoria waren. Dort haben wir uns mehrmals mit Michael (einem kanadischen Freund, den wir aus Lörrach kennen) getroffen, bei ihm gekocht und bis morgens 3 Uhr Musik gemacht. Ansonsten hatte leider unser Red Beast wieder schlapp gemacht. Diesmal hatten wir Glück im Unglück, denn die vordere Radaufhängung war so kaputt, dass das linke Rad kurz davor war abzufallen. Fiel es aber nicht, sondern wurde zusammen mit allen Bremsblöcken rechtzeitig repariert und ausgewechselt, so dass wir uns sicher auf den Rückweg nach Vancouver machen konnten.

Meeresbucht mit Steinen und Bäumen in Ucluelet auf Vancouver Island
Wild Pacific Trails in Ucluelet (noch bei Sonnenschein)

Der Regen hielt leider auch in der Stadt Einzug (sie heißt wohl nicht ohne Grund ‚Raincity‘), so dass wir uns Regenalternativen überlegen mussten. Pirmin war immer wieder abends arbeiten, wir anderen waren entweder zu Lesungen in der Bibliothek, im Pub zum NFL schauen oder einen Tag in der Science World. Dort gab es vieles interaktives zum ausprobieren, eine Ausstellung zur „Wissenschaft von Pixar-Filmen“. Das ein oder andere Kind in uns wurde an diesem Tag geweckt. Wir hatten auch noch überlegt, an einem Tag ins Aquarium zu gehen, um Seeotter, Faultiere und Delphine zu sehen. Dann hatten Tomek, Sara und ich bei einem Spaziergang durch den Stanley Park allerdings das Glück einen Seeotter in freier Wildbahn zu sehen. Auch, wenn er einen Fisch verspeist hat, war es schon ziemlich süß ihn zu beobachten.

Ein Seeotter im Stanley Park (leider nicht die beste Qualität, sorry)

Mittlerweile ist Marcel schon wieder abgereist, für Sara geht’s leider morgen nach hause. Mit Tomek machen wir allerdings ab Samstag die Rockies unsicher. Freut euch also schon auf den nächsten Beitrag, wenn wir bis dahin nicht erfroren sind.

Galerie mit allen Fotos aufrufen

4 Kommentare bei „Endlich angekommen – 6 Wochen später in Kanada“

  1. Hallo ihr Lieben!!!!
    Wir haben uns sehr gefreut so viel von Euch zu hören und lesen. Und die Fotos tun das ihre noch dazu. Fühlt euch gaaaaaanz fest geknuddelt! Liebi Grüessli us Aichen Mum und Thomas

    1. Dankeschön für eure lieben Worte 🙂 wir hoffen, es geht euch gut und schicken liebe Grüße und ein paar ganz feste Umarmungen aus den Rockies. Tine und Pirmin

  2. Hallöchen!
    Schön von Euch zu hören bzw. zu lesen. Wieder tolle Bilder und ein schöner langer Reisebericht Unser Skype geht wieder, Onkel Detlef hat geholfen. Vielleicht klappt es heute Abend. Seid lieb gegrüßt und gedrückt von
    0+0

  3. […] Jahr und einen kleinen Umweg über Kanada später haben wir es endlich ins Land der Kiwis geschafft. War es doch von Anfang unser gemeinsames […]

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