Der Ruf der Wildnis und Berge – Rocky Mountains (Teil 2)

Ein Regenbogen spannt sich über einen Wasserfall

Erinnert ihr euch noch an das Ende des letzten Beitrags? Dass es eine saukalte, sternenklare Nacht war? Beste Anzeichen also für einen wunderschön sonnigen Tag! Das Wetter hält, was es verspricht, als wir am nächsten Tag aufwachen. Wir sind recht früh dran, weil wir heute ca. 280 km fahren werden, immer wieder unterbrochen von kurzen Wanderungen und Sightseeing-Stops. Wir werden uns nämlich Wasser in allen Formen anschauen: Wasserfälle, Gletscher, Seen, Schnee, was man sich nur denken kann.

Wasserfall mit Bergen im Hintergrund
Am frühen Morgen ist es hier noch arschkalt

Zuallererst ist aber nach unserem Aufbruch der nächste Halt nur 2 km weit weg: Die Athabasca Falls direkt vor der Haustür zu haben, heißt, vor den ganzen Bussen mit Reisegruppen vor Ort zu sein. Es heißt aber auch, dass man im Auto nicht wirklich Zeit hat, um sich aufzuwärmen. Bei -5°C spazieren wir also über das Eis, das durch die Gischt gebildet wird zum Wasserfall hin. Dick und warm eingepackt mag man eigentlich gar keine Fotos machen, weil man dazu seine Hände der Kälte aussetzen muss. Die noch tief stehende Sonne bemalt im Hintergrund die Berggipfel um uns herum, ohne uns schon aufzuwärmen. Wir sind also trotz der Schönheit ziemlich froh, als wir mal für längere Zeit im Auto sitzen können, wo dann die Heizung diesen Part übernimmt.

Berge, Berge, Berge

Die Berge werden rechts und links immer höher und weißer. Und irgendwann sehen wir dann die ersten Gletscherzungen zwischen den Felsen hervorbrechen. An eine davon kann man sogar relativ dicht heran wandern, was wir trotz des eiskalten Windes natürlich auch machen. Die fragwürdige Praxis, sich mit speziellen Bussen über den Gletscher selbst fahren zu lassen, überspringen wir dagegen.

Frontalaufnahme eines Gletschers
Da kann man auch mit dem Bus hochfahren

Mit Eis und Schnee setzen wir uns dann lieber auf dem Weg zum Peyto Lake auseinander. Dort liegt festgetretener, halb abgetauter und wieder gefrorener Schnee auf dem Wanderweg, was die ganze Sache eine bisschen wackelig macht. Vor allem Tomek kämpft sich unter viel Geschimpfe den Berg hoch, während wir alle versuchen, möglichst elegant nicht hinzufallen. Das mit der Eleganz müssen wir aber noch üben. Die Aussicht ist die Mühsal aber dennoch wert. Mit dem blauen Himmel und der Sonne hoch am Himmel präsentiert sich der See als wunderschönes Postkartenmotiv. Tine hat schon länger ein Bild davon als Hintergrund auf dem Handy und jetzt kann sie endlich ihr eigenes Foto dazu verwenden. Wenn man sich richtig positioniert, schafft man es sogar, ein Bild ohne die Massen an Touristen zu schießen, die über die Absperrung klettern und die Aussicht für den Rest der Besucher blockieren.

Lake Peyto mit Bergen
Was für ein Postkartenmotiv

Seen, Seen, Seen

Nebliger Lake Louise von oben
Schön in die Wolken wandern

Nachdem wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Bow Lake eingelegt haben, geht es kurz zum obligatorischen Lake Louise, den wir nach den ganzen epischen Eindrücken der Fahrt eher so mittelmäßig und vor allem überlaufen finden. Dafür freuen wir uns dann umso mehr, in der Unterkunft in Golden Lena und Steven zu sehen. Wir haben einen Holzofen und zu fünft ist es in der Ein-Zimmer-Wohnung auch so schon kuschelig. Die nächsten Tage wandern wir am Emerald Lake entlang, besuchen die 384 m hohen Takakkaw Falls und halten tapfer – aber erfolglos – nach Bären Ausschau. Vom Lake Louise klettern wir zuerst bei Regen, dann bei Schnee hoch zum Lake Agnes. Dort gibt es ein Teehaus, zu dem alle Vorräte von den Mitarbeitern hochgetragen werden. Wir tun unseren Teil und nehmen dafür ein bisschen Müll mit ins Tal.

Wasser, Wasser, Wasser

Willkommen im Winter

Als wir die Stadt Banff selbst besuchen, werden wir erstmal vom Schneegestöber in ein Cafe getrieben, bevor wir dann durch die verschneite Landschaft wandern. Beim Two-Jack-Lake liefern wir uns eine kleine Schneeballschlacht und wandern ein bisschen durch die verschneiten Wälder. Am nächsten Tag fahren Lena und Steven dann weiter nach Norden und wir unternehmen eine kleiner Wanderung zu den Wapta Falls. Dort kann man im Wald neben den Wasserfällen herunterlaufen und steht dann unten ziemlich direkt vor dem Schauspiel. Je nachdem, wie die Sonne durch die Wolken bricht, kann man in der Gischt sogar einen Regenbogen erkennen, der sich über den Wasserfall spannt. Die Steine haben die ideale Form, um sie übers Wasser hüpfen zu lassen und dadurch kommt auch ein bisschen das Spielkind in mir zum Vorschein. Tine ist nach 9 Tagen in den Rockies wandermüde und deshalb auch nicht böse, dass wir die zweite Wanderung für heute dann aufgrund der späten Uhrzeit doch nicht mehr anfangen. Stattdessen richten wir es uns im AirBnB gemütlich ein und quatschen den Rest des Abends einfach. Wir haben ja auch eine lange Autofahrt vor uns!

Heim…

Für die Rückfahrt haben wir uns einen kleinen Umweg zurechtgelegt: Anstatt die kürzeste Route und damit die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg zurück zu fahren, fahren wir erst einmal nach Kelowna. Als wir auf dem Weg dorthin durch eine ländliche Gegend mit vielen Farmen fahren, sehen wir dann am Waldrand – endlich – einen Schwarzbären. Der verschwindet zwar ziemlich bald im Wald und wir sehen ihn nur aus der Ferne, aber gesehen haben wir ihn. Jetzt können wir immerhin erzählen, dass wir einen wilden Bären gesehen haben!!!

Eine straße führt in die Berge
Einfach in die Berge fahren

In Kelowna hat Tine sich noch ein weiteres kleines Highlight ausgesucht: Hier hat nämlich die Brauerei, die ihren Lieblings-Cider herstellt, einen kleinen Laden und – viel wichtiger – eine Verkostung! Der Plum-Basil-Cider ist leider schon ausverkauft, aber wir probieren die anderen dennoch und nehmen dann eine kleine Flasche (1,89 l) mit Pfirsich-Ingwer-Cider mit. Mittagessen gibt es dann auf dem Parkplatz und den Rest des Tages fahren wir von Kelowna über die Cascade Mountains zurück nach Vancouver. Nach 10 Tagen unterwegs sind wir doch wieder froh, im eigenen Bett zu schlafen und wieder zuhause zu sein.

Galerie mit allen Fotos aufrufen


3 Kommentare bei „Der Ruf der Wildnis und Berge – Rocky Mountains (Teil 2)“

  1. Takakkaw, it is magnificent 🙂

  2. Ihr Lieben!
    Toller Beitrag, vor allem die Bilder. Da kann man nachfühlen wie toll es in natura sein muss!!!
    Die Eltern von Tine sind auch zurück und haben uns erzählt, dass Tine eine Arbeit hat. Bloß gut.
    Ansonsten alles Liebe und Gute
    von den Großeltern von Tine

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