Der Ruf der Wildnis und Berge – Rocky Mountains (Teil 1)

See mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund, umringt von Wäldern

Die Rocky Mountains. Größte Bergkette Nordamerikas. Über 4500 km lang. Und Gipfel bis über 4000 m Höhe. Beeindruckend ist schon das erste Wort, was einem alleine bei den Fakten in den Sinn kommen könnte. Wie die Berge in der Realität sind, wollten wir allerdings lieber selber heraus finden und traten einen 10-tägigen Trip zum Jasper und Banff Nationalpark an. Mit dabei unser guter gemeinsamer Freund Thomas, den wir aus Lörrach kennen, wo er sich mit Pirmin eine WG geteilt hat.

Die Planung haben wir erst ca. 3 Wochen vor Abreise in Angriff genommen. Obwohl wir schon in der Nebensaison gereist sind (sprich nach dem letzten langen Septemberwochenende um den 2. September) war es gar nicht so einfach, Unterkünfte zu finden. Vor allem die Region um den Jasper NP stellte sich als schwierig heraus. Im Endeffekt hatte ich bei Airbnb noch einen Gastgeber gefunden, der zwei alte Wohnmobile auf seinem Grundstück stehen hat, eine Dusche und vor allem eine Heizung versprach. Mehr brauchten wir in dem Moment nicht und da es das einzige, verfügbare innerhalb unseres Budgets und zu dem Preis-Leistungs-Verhältnis war, schlugen wir zu.

Irgendetwas geht doch immer schief

Am Abend vor unserer Abreise war Pirmin noch fleißig arbeiten. Thomas und ich haben derweil Buletten/Klopse/Fleischpflanzerl (oder wie sie jeder in seinem Dialekt nennt) für die Fahrt vorbereitet und anschließend mit unserem Mitbewohner Kyle einen verrückten, witzigen und liebenswerten Film aus Neuseeland gesehen. Kyle ist sogar entgegen vorheriger Ankündigung, dass er sonst bei Filmen immer einschläft und wir deshalb auswählen sollen, NICHT eingeschlafen. Der Film war echt überraschend gut und sehr empfehlenswert. Irgendwann kam Pirmin von der Arbeit und wir saßen noch etwas zusammen, bevor wir uns motivieren konnten, unsere Sachen zusammenzupacken. Ich habe nochmal meine Mails überprüft und auf einmal trudelten verschiedene Nachrichten von Airbnb ein. Mir sprang natürlich sofort diejenige ins Auge, dass unsere Buchung storniert wurde. Kurze Panik, aber dann einfach mal in Ruhe lesen. Es stellte sich heraus, dass das Schloss zur Tür unseres gebuchten Wohnmobils von den Vormietern zerstört worden war und man diesen nicht mehr abschließen konnte. Wir haben dann kurzerhand mit dem Vermieter telefoniert, um die Sachlage zu klären. Er versicherte uns, dass wir die Tür dennoch schließen können. Das war uns das wichtigste, da wir natürlich wollten, dass die Wärme auch mehr oder weniger im Wohnmobil bleibt. Also haben wir wieder neu gebucht, sogar noch einen kleinen Rabatt erhalten und konnten erleichtert ins Bett gehen.

Frau sitzt mit einem Bordie Coller auf einer Bank
Verkuschelt ist kein Ausdruck für Dave’s Hündin

Am Samstag, den 15.9., fuhren wir verhältnismäßig früh los, da wir ja eine weite Strecke vor uns hatten. Bis auf eine Tankpause fuhren wir recht zügig bis Kamloops durch, wo wir eine große Pause eingeplant hatten. Vor allem wollten wir die letzten Lebensmittel für unseren Trip einkaufen und gleichzeitig dort Mittagessen. Den letzten Teil der Strecke sind wir auch wieder ziemlich durchgefahren – bis auf einen Fahrerwechsel und noch einmal Tanken. Wir hatten geplant bis 19 Uhr anzukommen und obwohl wir es nicht geschafft haben, zur geplanten Uhrzeit loszufahren, fuhren wir tatsächlich um 18.52 Uhr auf das Grundstück unseres Gastgebers Dave. Und wurden auch direkt freudig von seiner Hündin begrüßt. Sie sollte uns noch die Zeit bei Dave ziemlich versüßen, da sie zwar auch die Bären verjagt, aber es sonst LIEBT, gekrault zu werden. Manchmal bekommt sie selbst dann nicht genug davon, während man sie gerade streichelt. Das Wohnmobil hatte alles, was man zum Schlafen brauchte, war zwar nicht das größte und der Heizlüfter war auch echt klein. Aber sobald man gekocht hatte, war es so warm darin, dass wir sogar dankbar ein paar Minuten die Tür oder Fenster geöffnet haben. Außerdem wollten wir nur ein Dach über dem Kopf und das hatten wir alle mal.

Mount Robson Provincial Park

Rearguard Wasserfälle, türkisblauer Fluss von Wäldern umringt
Rearguard Wasserfälle

Sonntag schliefen wir erstmal aus, was nach dem langen Tag am Samstag auch notwendig war. Mittags ging es dann aber richtig los. Wir hatten uns für den Tag den Mount Robson Provincial Park herausgesucht, da er zwischen Jasper NP und unserer Unterkunft liegt und wir somit nicht allzu weit fahren mussten. Obwohl es den ganzen Morgen bewölkt und grau war, war das Wetter sofort auf unserer Seite als wir bei den ersten Wasserfällen anhielten. Die Sonne schien auf die Rearguard Falls und verdoppelte unsere Freude, in den Rockies zu sein, schlagartig. Wir hatten uns überlegt, an dem Tag noch eine längere Wanderung zum Kinney Lake zu machen. Der Weg war recht einfach zu begehen, da es keine großen Steigungen gab und ging die meiste Zeit an einem Fluss entlang. Am See angekommen, war das Wasser ganz still, so dass sich die umliegenden Berge darin spiegelten. Einfach wunderschön und beeindruckend. Wir haben dort eine längere Pause mit vielen Fotos gemacht. Als wir wieder am Auto zurück waren und gerade aus dem Park fahren wollten, habe ich im Rückspiegel den Mount Robson fast wolkenfrei gesehen – vor allem wie die Spitze von der Sonne angestrahlt wurde. Nach dem ersten erfolgreichen Tag in den Rockies konnten wir es kaum erwarten, am nächsten Tag in den Jasper Nationalpark zu fahren.

Frau sitzt am Kinney Lake in den Rocky Mountains, Berge im Hintergrund, die sich im Wasser spiegeln
Pause bei schönster Aussicht am Kinney Lake

Jasper Nationalpark

Ein Hirsch in freier Wildbahn
Ein Hirsch in freier Wildbahn

Diesmal war wirklich frühes Aufstehen angesagt, hatten wir alleine eine Fahrt nach Jasper (Stadt) von ca. 1,5 bis 2 Stunden vor uns. Wir kamen teilweise aus dem Staunen und den Ohhhhs, Ahhhs und Woooows nicht mehr heraus, weil sich hinter jeder Kurve wieder ein neuer schöner Blick auf die schneebedeckten Berge auftat. Unser erster Stopp an diesem Tag war in Jasper, um uns mit ein paar Infos und Kartenmaterial einzudecken. Bei einem Kaffee bzw. Hot Pumpkin Spice Latte im örtlichen Tim Hortons ist schnell entschieden, dass wir an dem Tag noch zum Maligne Lake fahren wollen. Wir wurden noch gewarnt, dass dort in der letzen Zeit öfter Grizzlys aktiv waren, aber das hielt uns nicht ab (wollten wir doch endlich mal Bären sehen – zumindest aus sicherer Entfernung). Der See liegt etwas ab vom Schuss, so dass man von Jasper aus ca. 1,5 Stunden bis dahin braucht. Allerdings kamen wir nicht weit: kurz hinter Jasper standen auf beiden Straßenseiten viele Autos. Das ist ja bekanntlich das Zeichen dafür, dass es dort etwas spannendes zu sehen gibt. Und tatsächlich: mehr oder weniger abseits von der Straße waren einige Hirsche. Manche kamen sogar richtig nah an die Straße heran. Es ist fast schön zu sehen, dass sich die Tiere in der Nähe von Menschen so sicher fühlen. Wenn da nicht die Menschen selber wären, die manchen Hirschen ihre Kamera mitten ins Gesicht halten möchten und am liebsten noch ein Selfie mit ihnen machen. Unmöglich.

Maligne Lake, zweitgrößter gletschergespeister See der Welt 

Maligne Lake in den Rocky Mountains
Maligne Lake

Einige Zeit später setzten wir unsere Fahrt fort, standen als nächstes die Bären und der Maligne Lake an. Wir entscheiden uns zuerst für den Mary Schaffer Trail, bei dem man erst etwas am gletschergespeisten See entlang und dann noch durch den Wald läuft. Davon geht später ein Wanderweg hoch in die Berge ab. Man gelangt unter anderem zu einem Aussichtspunkt, von wo man einen Blick auf den See und die umliegenden Berge haben kann. Aber die ersten wahrscheinlich nur 200 m hatten schon so einen starken Anstieg, dass wir uns dann doch zum Umdrehen entschieden kann. Zum einen aus zeitlichen Gründen, damit wir nicht im Dunkeln durch das Grizzly-Gebiet wieder zurück müssen und weil wir leider noch nicht fit genug dafür waren. Also nochmal ab zum See, die letzten Sonnenstrahlen aufnehmen, ein paar mehr Fotos machen und dann ab zu unserem Wilderness Hostel in der Nähe der Athabasca Falls. Fun Fact an dieser Stelle: Als wir die Adresse ins Navi eingegeben haben, hat uns Google Maps tatsächlich nur eine Entfernung von ca. 10 km angezeigt, denn das Hostel liegt auf Höhe des Maligne Lakes, nur genau auf der anderen Seite der Berge. Das hat Google dann auch schnell gemerkt und auf ca. 80 km korrigiert.

Schlafen in der Wildnis

Im Hostel angekommen, waren wir doch positiv überrascht. Es war als Wilderness Hostel beschrieben, was bedeutet kein fließendes Wasser, keine Duschen und nur Plumpsklos. Wir waren also darauf eingestellt, dass es keinen Komfort und nur das nötigste haben wird (wie z. B. Heizungen/Kamine). Allerdings hat es neben 3 Blockhütten mit Privatzimmern oder Gemeinschaftsschlafsälen noch eine große, vierte Hütte auf dem Grundstück. Darin befindet sich ein super uriger, gemütlicher Gemeinschaftsraum inklusive Küche und Rezeption. Man muss seine Schuhe sofort nach betreten des Raums ausziehen und fühlt sich dadurch noch schneller wie zuhause. Es fällt einem nur schwer, die Hütte abends zu verlassen, um den Weg durch die kalte Nacht zu seiner Schlafhütte aufzunehmen – oder wenn man auf die Toilette musste, denn auch diese befand sich draußen (ohne Heizung).

Tal der fünf Seen

türkisblauer See im Tal der fünf Seen mit Bergen im Hintergrund und umringt von Bäumen
Der erste der fünf Seen

Für den kommenden Tag hatten wir uns vorgenommen, die Wanderung durch das Valley of Five Lakes zu machen. Vermutlich einer der beliebtesten Wanderwege im Jasper NP und den man unbedingt machen sollte. Und wie auch schon die Tage davor, war das Wetter zumindest immer dann, wenn wir wandern gegangen sind, auf unserer Seite. Die Sonne schien, der Himmel war weitestgehend blau mit ein paar Wolken. Perfekte Voraussetzung, um die wunderschönen türkisblauen Seen zu erkunden. Die Wanderung an sich ist je nach Pause für Fotos ca. 1,5 bis 2,5 Stunden lang und recht leicht zu meistern. Fotos können zwar zu 80 % widerspiegeln, wie beeindruckend die Natur ist, aber für die letzten 20 % muss man einfach selber vor Ort sein und die Eindrücke aufnehmen. Wer jemals in den Jasper NP fahren sollte, diese Wanderung ist ein Muss!

Und ein paar heiße Quellen

Zwei Personen sitzen auf roten Stühlen im Tal der fünf Seen
Diese roten Stühle findet man immer wieder mal in den Rockies

An dem Tag fuhren wir noch zu den Miette Hot Springs. Es gibt dort eine Art öffentliches Freibad, dessen Wasser aus den heißen Quellen vor Ort gespeist wird. Zuerst haben wir den kurzen Spaziergang zum alten Freibad gemacht, welches jetzt nur noch eine Ruine ist. Ein Stück weiter kommt man zu einer heißen Quelle. Es riecht ziemlich nach Schwefel (oder auch wie faule Eier, falls jemand noch nie Schwefel gerochen hat) – nicht unbedingt appetitlich. Das Wasser kommt mit einer Temperatur von ca. 55°C aus dem Berg und wird über Rohre zum Freibad geführt und soweit abgekühlt, dass es in den Becken ca. 37 bis 40°C hat. Gereinigt wird es auch noch, da es in den Becken gar nicht mehr unangenehm riecht. Dafür ist es perfekt, um sich zu entspannen. Es gibt zwei warme Becken (eins etwas heißer als das andere) und zwei kalte Becken, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Entspannt und fast schon müde traten wir danach dann die Rückreise zum Hostel an. Tagsüber haben wir noch eine Flasche Rotwein gekauft, da man bei dem urigen Aufenthaltsraum mitten in der Natur einfach Lust auf ein Gläschen bekommt. Einer der Mitarbeiter macht auf der Veranda noch ein Lagerfeuer an. Schnell kommen wir mit Brasialienern, Kanadiern und Deutschen ins Gespräch und verbringen einen witzigen, schönen Abend in der Wildnis. Der Himmel ist komplett klar, was einem atemberaubende Ausblicke ermöglicht. Zwar ist es dadurch auch viel kälter, aber dafür haben wir ja ein Lagerfeuer. Wir gehen zwar erst spät ins Bett, aber voller Vorfreude darüber, was wir am nächsten Tag auf der Fahrt in den Banff NP alles erleben werden. Vielleicht würden wir endlich Bären sehen? Mehr davon gibt’s im nächsten Blogeintrag.

Galerie mit allen Fotos aufrufen

6 Kommentare bei „Der Ruf der Wildnis und Berge – Rocky Mountains (Teil 1)“

  1. Hallo Ihr Lieben!
    Tine! wieder ein wunderbarer Beitrag, vor allem die tollen Bilder!!! Ja das kann man nur persönlich erlebt haben, so viel Natur. Da wird sich der Hund ja freuen über so viel Streicheleinheiten. Es scheint doch kälter als hier zu sein. Schon mal dran gedacht, das heute der Tag der deutschen Einheit ist.
    Weiterhin schöne Erlebnisse und Grüße
    an die lieben Mitbewohner oder Gäste.
    Lb. Gr. von 0+0

  2. Guten Morgen ihr Lieben,
    so, so, so schöne Bilder!! Grazcha fich!!! Salüds Mum ❤

    1. Jaaaa, es war auch wunderschön! Wie immer sind die Bilder nicht ausreichend, um das große Ganze zu vermitteln, aber das ist leider so 🙂

  3. Hallo ihr Lieben, soooooo schön und so toll, dass ihr das erleben könnt.Genießt weiterhin eure Auszeit und schreibt weiterhin feißig, damit wir dabeisein können. Seid lieb gegrüßt und dolle gedrückt von den Ellis

  4. Hallöchen!
    Wir hoffen es geht Euch gut! Wahrscheinlich geht Ihr arbeiten. Geld muss ja auch verdient werden um Euch weiteres zu gönnen. Lasst Euch ja nicht mit Cannabis ein, es ist ja jetzt freigegeben bei Euch. Ob das gut ist???
    So liebe Grüße und Drückerchen von
    0+0

  5. […] ihr euch noch an das Ende des letzten Beitrags? Dass es eine saukalte, sternenklare Nacht war? Beste Anzeichen also für einen wunderschön […]

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