Freunde, Indian Summer und der ganz normale Alltag

Person sitzt auf einem Felsen und blickt auf die Meeresbucht und Inseln

Wer glaubt, dass wir es nach den 10 Tagen in den Rockies ruhig angehen lassen, der irrt sich (und kennt uns schlecht). Wir verbringen nach unserer Ankunft direkt erst einmal Tomeks letzten Tag in Kanada. Unter anderem gehen wir zum Lieblings-Koreaner unserer Mitbewohners Steve Mittagessen, erkunden die letzten Ecken Vancouvers, die noch auf Tomeks Liste standen, trinken ein (oder zwei) Abschiedsbier und genießen einen schönen Sonnenuntergang über English Bay. Das Wetter zeigt sich an dem Tag von seiner besten Seite und wir erleben selbst an der Westküste ein wenig den berühmten Indian Summer. Die vielen Laubbäume färben sich bereits in den schönsten, buntesten Herbstfarbtönen.

zwei Personen verabschieden sich am Flughafen
Wieder einmal heißt es Abschied nehmen

Am 26. September heißt es nicht nur Verabschiedung von Tomek, sondern auch ein kleiner Vorstellungsgesprächmarathon für mich. Ich hatte mich in den letzten Tagen in den Rockies auf ein paar Jobs beworben und ziemlich schnelles positives Feedback bekommen. Also gehe ich zu meinem ersten Gespräch in einem Café/Restaurant mit Fokus auf Teezeremonien an dem Tag, bin so früh fertig wie gehofft, so dass ich mit Pirmin zusammen Tomek zum Flughafen fahren kann. Wieder zuhause, einmal kurz verschnaufen und was essen und dann auf zum zweiten Gespräch in einem Hängemattenladen auf Granville Islands. Und wer sich jetzt denkt: Cool, hast du das Gespräch dann auch in einer Hängematte geführt? Dem kann ich antworten: Jap, und es war vermutlich das entspannteste Vorstellungsgespräch, was ich je hatte. Anschließend bin ich noch etwas am Wasser entlang geschlendert, da das Wetter traumhaft war. Nach den Minusgraden und dem Schnee in den Rockies einfach eine Wohltat für den Körper. Übrigens habe ich mich am Ende für den Job im Teecafé entschieden und auch die Zusage bekommen.

Erstmal schön erkältet

Pirmin und ich gingen eigentlich davon aus, dass wir ein paar Tage nach unserer Rückkehr in einem neuen Buchladen seines Arbeitgebers beim Einräumen helfen würden. Allerdings erreichte uns kurz zuvor die Mitteilung, dass es Verspätungen in der Eröffnung gibt, die Bauarbeiten noch nicht ganz fertig sind und wir erst eine gute Woche später dort arbeiten könnten. War zwar etwas ärgerlich, da wir dann beide arbeitstechnisch etwas in der Luft hingen, dafür waren wir diesmal schnell genug und konnten bessere Schichten ergattern und mussten doch nicht nur nachts arbeiten. Außerdem wie das Timing es dann manchmal so will, wurde Pirmin am Freitag nach unserer Rückkehr richtig erkältet. Ich bin zwar sofort aufs Sofa bzw. in das zweite Zimmer umgezogen, aber auch mich hat es nach 5 Tagen erwischt. Daher sollte es wohl so sein, dass unserer Aushilfsjob sich verzögert hatte.

In der Zwischenzeit kamen Lena und Steven wieder in Vancouver an. Steven verbrachte noch zwei Nächte bei uns, bevor es wieder nach Hamburg ging. Lena blieb dafür noch mehr als eine Woche bei uns. Leider hatte sie dann auch nicht mehr zu viel von uns, als wir beide gesundheitlich angeschlagen waren und musste dann eher ihr eigenes Ding machen. Dennoch war es vor allem für mich so schön, so viel Zeit mit ihr zu verbringen. Tatsächlich haben wir seit unseres Kennenlernens in Australien vor 8 Jahren nicht mehr so viel Zeit am Stück verbracht.

Auf den Truthahn, fertig, LOS

Thanksgiving Dinner in Kanada
Thanksgiving Dinner in Kanada

Als Pirmin und ich wieder einigermaßen fit waren, fing auch schon unser Job im Indigo Buchladen an. Ich will gar nicht so sehr in die Tiefe gehen und euch damit langweilen. Man muss nur feststellen, dass sich manche Arbeitgeber in Kanada organisatorisch und strukturell ein Beispiel an Europa nehmen könnten. Und ich will damit nicht nur auf die ‚Ach so organisierten Deutschen‘ anspielen, denn selbst ein Belgier hat sich dort regelmäßig aufgeregt und geschimpft wie ein Rohrspatz. Insgesamt haben wir sechs Tage am Stück dort gearbeitet, Pirmin natürlich anschließend noch öfters. Eins der Highlights in der Zeit war das Thanksgiving Dinner mit unserer WG. Kyle, unser einer Mitbewohner, hat sich sehr viel Mühe gemacht, extra einen Truthahn und alles was dazu gehört, eingekauft und mit Unterstützung von Karl zubereitet. Da Kyles Familie u.a. aus Polen kommt, gab es auch die ein oder andere polnische Spezialität zu verköstigen. Leckerschmecker!

Ein weiteres Highlight war mehr Besuch aus Deutschland. Zwei Freundinnen, die wir aus unseren Studiumszeiten in Lörrach kennen, kamen innerhalb weniger Tage bei uns an. Mit den beiden haben wir zwar keine Mehrtagestrips mehr unternehmen können, da unsere Arbeitsschichten so unterschiedlich waren, aber wir konnten ihnen dennoch Vancouver zeigen und ein paar Mal in die nähere Umgebung fahren. Das ist das schöne an der Lage von Vancouver, es reicht schon eine halbe Stunde bis Stunde aus der Stadt herauszufahren und man ist mitten in der Natur.

Goldener Herbst

Indian Summer mit bunten Laubbäumen in Vancouver
Die Natur ist so bunt

Die beiden haben auch im wahrsten Sinne die Sonne mitgebracht und am Ende auch wieder mit nach Deutschland genommen. Wir hatten in Vancouver gute zwei Wochen nochmal richtig schönes Wetter, bevor es nun seit einer Woche regnet und Vancouver seinem Spitznamen „Raincity“ alle Ehren macht. Aber genug davon. An einem Tag sind wir in den nahegelegenen Cypress Provincial Park gefahren. Die Straße führt direkt am Aussichtspunkt „High Way Lookout“ mit guten Blick über Vancouver vorbei. Da uns die Sonne direkt ins Gesicht strahlte und die Stadt etwas im Nebel lag, beschlossen wir auf dem Rückweg nochmal anzuhalten, um vielleicht das ein oder andere schöne Foto machen zu können. Weiter ging es also Cypress Hill hoch, denn unser Ziel war die Wanderung hoch zum des St. Mark’s Summit. Bei den Parkplätzen angekommen, wurden wir direkt von den Olympischen Ringen begrüßt. Na, wer weiß, wann die Winterolympiade in Vancouver (und Umgebung) stattfand? Richtig, in 2010. Und Cypress Hill war eine der Wettkampfstätten – dort fanden Snowboarden und Freestyle-Skiing statt.

Vier Personen sitzten auf Felsen mit einer Meeresbucht mit Inseln im Hintergrund
Die Wanderung hat sich gelohnt

Zum Glück war der Winter an dem Tag (nach den Rockies wieder) in ganz weiter Ferne. Die Wanderung war insgesamt schon ziemlich anspruchsvoll, dafür hat der Ausblick auf den Howe Sound, Bowen Island und die vielen anderen Inseln in der Bucht die Anstrengungen sofort vergessen lassen (siehe Titelfoto). Schaut am Besten die Bilder an, Worte können es wieder einmal nicht beschreiben. Nach einer längeren Pause und gefühlt 1.000 Fotos später haben wir den Rückweg angetreten. Auf der Fahrt nach Hause hielten wir wieder am Aussichtspunkt. Und wie sehr sich der zweite Stop dort gelohnt hat. Die Sonne stand viel weiter rechts von uns, Vancouver lag nicht mehr im Nebel und man konnte bis Vancouver Island sehen. Ich persönlich fand es am coolsten, dass sogar Mt. Baker sichtbar war. Der liegt nämlich im Kaskadengebirge in den USA und ist ca. 110 km Luftlinie entfernt.

Vancouvers kulinarische Seite

An einem meiner freien Tage bin ich mit den Mädels erst nach Deep Cove gefahren, wo man zum Quarry Rock wandern kann. Wir hatten uns zwar eher auf einen Spaziergang eingestellt, der sich dann allerdings als Wanderung entpuppte. Auch von dort aus hat man eine schöne Aussicht. Man muss nur darauf eingestellt sein, bei schönem Wetter nicht alleine dort zu sein. Wir haben uns ein freies Plätzchen gesucht und etwas gesonnt. Nachdem wir wieder zuhause waren, sind wir in den Stadtteil Kitsilano (von Einheimischen nur Kits genannt) gefahren und etwas herumgelaufen. Unterwegs haben wir uns bei der Eisdiele Rain or Shine sehr leckeres Eis geholt und anschließend noch leckere heiße Tees bei Davidstea. Beides sehr empfehlenswert. Dann ging es zum Sonnenuntergang an den Kits Strand und anschließend mit Pirmin in den neuen Buchladen, in dem wir beide noch ein paar Wochen zuvor zusammen gearbeitet haben. Den Tag haben wir mit einem veganen Abendessen bei MeeT beendet.

Aussicht auf eine Bucht vom Quarry Rock
Aussicht vom Quarry Rock bei Deep Cove

Den Tag danach hatte Pirmin auch frei. Wir haben unsere zwei belgischen Freunde Jens und Maarten eingeladen, einen Ausflug zum Capilano Lake zu fahren. Die Empfehlung bekamen wir von unserem Mitbewohner Stephen. Vielleicht lag es auch nur am wolkenbedeckten Himmel, aber sooo toll fanden wir den See leider nicht. Und da es auch nicht mehr so sonnig war, haben wir uns lieber ein Café gesucht. Am Abend gab es noch die kanadische Variante von Döner, der hier Donair genannt wird und nicht so wirklich etwas mit unserem Kebab zu tun hat. Was aber auch nicht heißen soll, dass es schlecht geschmeckt hat. Man sollte nur besser seine Erwartungen hinten anstellen.

Langsam wird es ruhig bei uns

Seither ist nicht mehr so viel passiert. Die beiden Mädels sind mittlerweile wieder abgereist, wir arbeiten beide fleißig (ich zur Zeit weniger, da ich nicht so viele Schichten habe) und wir hatten noch eine sehr witzige, vor allem musikalische Halloween-Geburtstags-WG-Party vergangenes Wochenende und waren beide froh, dass wir Sonntag frei hatten. Vermutlich werden die nächsten Wochen/Monate noch ruhiger, da wir tatsächlich nicht viel geplant haben, außer zu arbeiten. Natürlich machen wir auch ab und zu etwas mit unserer WG oder unseren Freunden in Vancouver. Aber das ist ja alles der normale Alltag.

Sonnenuntergang über Vancouver
Sonnenuntergang über Vancouver

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6 Kommentare bei „Freunde, Indian Summer und der ganz normale Alltag“

  1. Wieder ein schöner Beitrag. Vor allem die Naturaufnahmen. Ja den Indian Summer muss man erlebt haben, kann man ihn gar nicht so beschreiben. Nun habt Ihr Beide Arbeit und es wird ruhiger bei Euch werden. Habt ja so viele Besucher gehabt. Schade das wir über den Ozean mit dem langen Flug- es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr können. Trotzdem noch viel Schönes für Euch und liebe Grüße von
    0+0

    1. Danke für eure lieben Worte 🙂 bei mir sieht es jobmäßig leider gerade nicht mehr so gut aus. Darüber berichte ich euch dann beim nächsten Skypen. Viele liebe Grüße, Tine

  2. Hallo mes amis,

    ich hoffe, Pirmiiiin ist mittlerweile auch wieder glücklich gelandet und du, Tine, bist dementsprechend happier? Vielleicht liegt es einfach an Vancouver. habe nämlich gerade folgendes gelesen: „Die Rangliste der attraktivsten Städte der Welt für Arbeitnehmer führt Boston vor München an, gefolgt von dem kanadischen Calgary, Hamburg und Stuttgart. “ Ergo: Calgary it is. Da gibts Öl, Landwirtschaft und Rodeoreiten – und die üblichen Wolkenkrtazer. Falls ihr noch Alternativen sucht. 😉
    Aber jetzt auf dem Weihnachtsmarkt entfaltet bestimmt auch Vancouver seinen ganzen Charme. Ich teste am Wochenende erstmal Colmar. laut Sanja herrlich romantisch.
    Ganz liebe Grüße aus dem 5-Grad-warmen Basel!

  3. Hallöchen,
    wir hoffen Pirmin ist wieder gut angekommen und die Tine nicht mehr allein!!!!!
    Hoffentlich hat sich für Tine was mit A. ergeben. Sind Sonntag zum Adventssingen des Frauenchores Altdöbern in der Kirche. Vielleicht der letzte Auftritt. Keine Sängerinnen mehr auf Grund des Alters. Bei Euch gibt es doch bestimmt auch Weihnachtsmärkte. Oder?????
    Alles Liebe Euch Beiden
    mit lb. Gruß
    o+o

  4. Hallöchen Ihr Zwei!
    Waren heute auf dem Strietzelmarkt in Dresden. War wieder sehr schön. Da mußten wir an Tine denken, die auf so einem wohl auch ist. Hoffentlich ist es bei Euch nicht so kalt. Bei uns sind 7*+

    Liebe Gr. 0mi und opi

  5. […] Im letzten Beitrag haben wir uns ja eher gedanklich schon auf stinknormalen Alltag eingestellt und zu einem gewissen Grad ist das auch so eingetroffen: Wir haben uns erstmal aufs Arbeiten konzentriert und nicht wirklich viel anderes gemacht. Das ging dann so für knapp zwei Wochen gut, bis wir am 17.11. mit unserem ehemaligen Mitbewohner Jacob seinen Geburtstag gefeiert haben. […]

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