Ostküste Kanadas – Ein bisschen wie Heimat (Teil 1)

Die letzten Wochen, ach was sag ich da, Monate vergingen viel zu schnell. Wir waren viel beschäftigt – mit Freunden treffen, jede Woche zum Music Trivia (Musikquiz) gehen, unsere Zeit in Vancouver genießen und naja, auch viel arbeiten. Bei unseren beiden Jobs war das Ende deutlich in Sicht. Ich hatte sogar schon offiziell zum 19. April gekündigt, da ich einen Tag später nach Montreal geflogen bin. (Allerdings mit der Option, dass ich noch für eine gute Woche verfügbar bin, wenn ich zurück komme und sie noch Schichten für mich haben). Pirmin hatte bis etwa Mitte Mai seine zwei bis drei Schichten bei Indigo und war über jede Extraschicht bei Jason (Foodtruckboss) glücklich.

Trotz Eis und Schnee wunderschön

Mein Highlight in den letzten Monaten war definitiv mein Roadtrip mit Lena durch die kanadische Ostküste. So trafen wir uns am Abend des 20. April am Flughafen in Montreal, nahmen unseren coolen Mietwagen in Empfang und machten uns direkt auf den Weg zu unserer ersten Unterkunft. Am ersten richtigen Tag war das Wetter zwar anfangs etwas durchwachsen, aber klarte zusehends auf, so dass wir unsere Mittagspause in der Sonne auf der Terrasse eines süßen, veganen Restaurants in Trois-Rivieres verbringen konnten. Auf dem weiteren Weg nach Quebec City haben wir noch einen Abstecher zum Parc national de la Mauricie gemacht. Leider haben wir dort direkt feststellen müssen, dass der Winter im Osten Kanadas noch lange nicht vorbei war. Es hatte zwar etwa 10 bis 13 Grad und war in der Sonne auch richtig warm, allerdings lag noch überall Schnee. Man konnte weder richtig weit in den Nationalpark hinein fahren, noch großartig Wanderungen unternehmen. Also immer auf eigenes Risiko. Wir hofften nach dem Ausflug zwar, dass es nur eine Ausnahmen sein würde, aber wir hatten schon so unsere Befürchtungen – die sich leider bewahrheiten sollten.

Europäische Provinzhauptstadt

Quebecs berühmtes Schlösschen

Aber erst einmal stand Quebec City auf dem Plan. Die Stadt hat mich absolut überzeugt. Wunderschöne Altstadt, umgeben von den alten Stadtmauern, das Fairmont Hotel ragt über allem und ist vermutlich das Wahrzeichen. Ein Tag reicht vollkommen, um alles Wichtige zu sehen und die Stadt besser kennenzulernen. Vor allem die Unterstadt und die verschiedenen Dekorationen mancher Häuser haben mich dermaßen an das Elsass erinnert, dass ich mich regelrecht wie in Europa gefühlt habe. Dann noch die französische Sprache und Küche. Très bien.

Sundowner

In unserem B&B haben wir den Tipp bekommen, in das Drehrestaurant vom benachbarten Delta-Hotel zu gehen – dafür muss man nämlich kein Gast sein und es erwartet auch keiner, dass man dort isst. Das Wetter am 2. Abend war perfekt für einen schönen Sonnenuntergang, den wir cocktailschlürfend mit super Aussicht auf Quebec City und Umgebung, beobachtet haben.

Am Tag darauf erkundeten wir erst in Ruhe die Île d‘Orléans, die Quebec City sozusagen vorgelagert ist und deren meisten Produkte regional verkauft werden. Da wir noch sehr in der Nebensaison waren, hatte kaum ein Hersteller auf. Aber bei denjenigen, die geöffnet hatten, konnten wir auch nicht ohne einen Besuch mit verbundenem Einkauf anhalten. Und so lecker! Schokolade, Cider, Nougat… mmmhhh.

Überall Schnee

Bei der anschließenden Weiterfahrt hielten wir im Parc National de la Jacques-Cartier. Auch dieser hatte noch geschlossen, leider wurde es auch immer bewölkter. Dennoch hatten wir Bewegungsdrang. Wenn ich wir sage, meine ich hauptsächlich Lena (die Vermenschlichung des Duracell-Häschens – was wahr ist, darf man sagen :-*). Jedenfalls auch dort mindestens ein halber Meter Schnee überall. Es gab einen Wanderweg, den man auf dem Schnee begehen konnte. Es war jedes Mal wie ein Marsch über ein Minenfeld – nicht, dass ich weiß, wie so etwas tatsächlich ist. Aber man wusste nie, wann eines der Beine knietief in den Schnee absinken würde. Anfangs noch lustig, irgendwann eher anstrengend.

Süßester Wachhund

Die Nacht verbrachten wir in Chichoutimi bzw. in der Saguenay Fjord Region. Da die Witterungsbedingungen nicht so ganz auf unserer Seite waren, haben wir uns besonders auf die kulinarische Seite der Ostküste konzentriert. So waren wir abends in einem alternativen Studenten-Café essen. Apropos Wetter, den nächsten Tag hat es entweder nur geregnet oder geschneit. Wir fuhren durch traumhaftes Winterparadies – blöd nur, dass das Ende April keiner mehr sehen will. Ich zumindest nicht, nachdem wir schon sommerliche 25°C zuvor in Vancouver hatten. Also den Tag überspringe ich mal, da wir nicht wirklich etwas machen konnten. Einziges Highlight war unsere Unterkunft in Baie-Saint-Paul. Mit Abstand auch die beste, persönlichste, herzlichste und überhaupt allertollste Unterkunft der gesamten Reise. Die beiden Gastgeber sind vielleicht Mitte Dreißig, haben vor ein paar Jahren die Pension eröffnet und lieben es, ihre Gäste zu verwöhnen und ihnen Tipps zu geben. Unter anderem hat David darauf gedrängt, dass wir noch in den örtlichen Pub essen gehen soll, nachdem ich ihn nach Empfehlungen gefragt habe. Ursprünglich wollten wir die quebecianische Küche ausprobieren, aber sind dann aufgrund von Zeitdrucks in den Pub gegangen. Und es war soooooo lecker. Als wir wieder zurück in die Unterkunft kamen, roch es verdächtig gut nach frischgebackenem Brot.

Leckerstes Frühstück

Das erwartete uns dann am nächsten Morgen beim inkludierten Frühstück. Lena und ich waren die letzten und bekamen den Auftrag alles aufzuessen, was unmöglich zu schaffen war. David erklärte uns, woher der Käse und die Salami kamen (alles regional!), dass der Kaffee nachhaltig sei und er die zwei verschiedenen Brote sowie Marmeladen selber hergestellt hätte. Als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, meinte er, dass er dann jetzt mal unsere Waffeln machen würde. Ich fühlte mich wie im Schlaraffenland. Da sie auch noch den süßesten Golden Retriever hatten, der sich nur allzu gerne kraulen ließ, fiel es mir echt schwer die Pension wieder zu verlassen. Übrigens ist der Ort Baie-Saint-Paul auch echt goldig. Man merkt zwar, dass er auf Touristen ausgelegt ist, dennoch hat er einen gewissen Charme.

Sydney, wir kommen

Den darauffolgenden Tag haben wir vor allem versucht, mehr Strecke zu machen, denn unser Ziel ‚Nova Scotia‘ war immer noch ziemlich weit entfernt. Das bedeutete weniger Stopps, was aber auch damit zusammenhing, dass es generell auf dem Streckenabschnitt weniger zu sehen gab. Wir schafften es dank vieler Podcasts, Hörbücher und Gespräche spätabends auf die Gaspé-Halbinsel und in ein Motel. Am nächsten Morgen erkundeten wir den Parc National de la Gaspésie, der auch noch sehr winterlich war. Wir konnten zwei Hikes machen und die Sonne kam sogar zwischenzeitlich heraus (aber ich sage nur ‚Minenfeld‘). Nach Gaspesie fuhren wir Richtung Meer und an diesem entlang. Es gab noch ein paar kleinere Stopps auf dem Weg, aber nichts wirklich nennenswertes. Am Abend erreichten wir Miramichi in New Brunswick, realisierten die Zeitumstellung und dass wir eine Stunde ‚verloren‘ hatten und waren froh, nach dem Abendessen im benachbarten Pub ins Bett zu fallen.

Wanderung durch den Schnee

Vor allem der nächste Tag war mit sehr viel Auto fahren verbunden. Es regnete, daher konnten wir nicht wirklich viel unternehmen und fuhren mit einer Essenspause in einem typischen, altmodischen Diner mehr oder weniger bis Sydney in Nova Scotia durch. Kurz realisierten wir noch, dass die erste Woche schon vorbei ist, aber wir hatten es bis nach Cape Breton geschafft. Und für die zweite Woche noch mehr als genug Zeit wieder nach Montreal zu fahren. Dazu gibt es im nächsten Beitrag mehr zu lesen.

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