Ostküste Kanadas – Ein bisschen wie Heimat (Teil 2)

Leider nicht ganz Australien

Lena und ich kommen also spätabends in unserem Hotel in Sydney auf der Insel Cape Breton an. Und nein, es handelt sich (leider) nicht um Australien, sondern die zweitgrößte Stadt der Provinz Nova Scotia im Osten Kanadas. Während ich ein wenig gelesen habe und mich über das kreative Essensangebot lokaler Restaurants („Fleetwood Mac & Cheese“) amüsiere, hat sich Lena noch ein wenig sportlich betätigt. Am nächsten Tag geht es zum berühmten Cabot Trail: eine Traumstraße entlang der Nordwestküste der Insel. Man sollte versuchen, etwas Glück mit dem Wetter zu haben, da sich besonders dann der Reiz dieser Ecke zeigt. Bei uns ist es zwar etwas durchwachsen, aber die Sonne kommt immer wieder durch. Nachdem es den Tag davor in Strömen geregnet hat, hätte es kaum besser sein können. Und die Traumstraße hält, was sie verspricht. Immer wieder lohnt es sich an einer der vielen Parkbuchten anzuhalten, auszusteigen und die Aussicht zu genießen (in Verbindung mit dem ein oder anderen Foto natürlich). Die Landschaft ändert sich immer wieder mal und es wird teilweise ganz schön bergig. Hatten wir gar nicht so auf dem Schirm. Wir laufen den Skyline Trail und kommen zu einer großartigen Aussicht über das Meer entlang der Küste. Sehr empfehlenswert.

Skyline Trail

Einmal durch den Osten futtern, bitte

Am Ende des Tages kehren wir in das erst an Ostern 2019 eröffnete Restaurant L‘Abri ein. Es ist krachend voll an dem Tag, laut dem Besitzer der erste Tag, an dem seit Eröffnung richtig viel los ist. Die beiden Besitzer sind übrigens auch noch recht jung (vermutlich Anfang/Mitte Dreißig), haben Design/Fotografie studiert bzw. schon einige Jahre lang im Gastgewerbe gearbeitet. Sie haben das Restaurant erst im Dezember 2018 übernommen und kommen seit der Eröffnung bei den Einheimischen und Touristen wohl sehr gut an. Und wir können verstehen warum. Als Lena einen der Besitzer auf Desserts anspricht und er einen Schokokuchen nicht aufzählt, fragt sie nochmal konkreter nach. Als er uns erzählt, dass er den Kuchen nicht mehr hat, erntet er traurige Blicke. Er überlegt es sich nochmal anders und erklärt uns eine halbe Minute später, dass er den Kuchen eigentlich nicht mehr verkaufen will, da er schon den ganzen Tag herumstand und die Glasur nicht mehr so schön sei. Nach einem Dackelblick unsererseits, schien er es sich anders überlegt zu haben, ging weg und kam mit zwei Stück Kuchen in einer Box wieder. Das Beste daran: Er hat uns den Kuchen nicht mal berechnet. Und er war sooooo lecker und wir hätten sogar super gerne dafür bezahlt. Vielleicht sollten wir ihm noch sagen, dass der Kuchen gar keine Glasur benötigt, weil er so schon unbeschreiblich gut schmeckt.

Cape Breton – die Küste um Louisbourg

Den nächsten Tag fahren wir vormittags zuerst noch nach Louisbourg, wo es eine alte Festung und einen Leuchtturm gibt. Vor allem wollten wir noch ein bisschen was von Cape Breton sehen, bevor wir wieder einige Kilometer hinter uns bringen. Da wir uns noch nicht ganz entscheiden konnten, wie die Reiseroute weiterverlaufen soll, verbringen wir die Nacht in Truro, was ein guter Ausgangspunkt für alle Richtungen ist und uns einen weiteren Abend Bedenkzeit gab. Es ist dann allerdings recht schnell klar, dass Halifax ein zu großer Umweg wäre und wir lieber ein paar Schlenker entlang der Route fahren möchten. So geht es also am nächsten Morgen über Landstraßen zur Advocate Harbour und dem dortigen Leuchtturm. Im Sommer sicherlich ganz schön, Ende April noch geschlossen. In der Raven Head Wilderness Area überkommt uns nochmal der Bewegungsdrang und wir sind irgendwo im Nirgendwo herumgestapft, bevor es wieder zurück nach New Brunswick geht.

Unterschiedlichste Felsen und Steine

Hopewell Rocks

Die Nacht verbringen wir in der Nähe der bekannten Hopewell Rocks. Der Motelbesitzer gibt uns noch den Tipp, wie wir trotz geschlossenen Nationalparks zu den berühmten Fels- und Steinformationen gelangen können. Wir fahren direkt abends noch vor dem Sonnenuntergang hin und laufen dank der Ebbe relativ weit an den Felsen entlang. Muss man wissen: Aufgrund des extremen Tidenhubs von bis zu 15 Metern kann es sein, dass die Steinformationen unter Wasser stehen, wenn man sie besichtigt. Das „Glück“ haben wir nämlich am nächsten Morgen. Wo wir abends noch ohne Probleme entlang laufen konnten, steht Morgens alles unter Wasser. Also sind wir so noch durch den geschlossenen Nationalpark gelaufen. Und wir sind nicht die Einzigen. Zurück im Auto haben wir erstmal gefrühstückt und uns so sehr verquatscht, dass das Wasser mittlerweile wieder zurückgegangen ist und wir doch nochmal ein kleineres Stück direkt an den Felsen entlang laufen konnten. Schon verrückt, was die Natur so alles kann.

Die roten Stühle findet man in fast allen Nationalparks Kanadas, hier im Fundy NP

Unser nächster Stopp ist der Fundy Nationalpark. Offiziell auch noch nicht geöffnet, aber zwei Wanderungen wären wohl möglich (hieß es). Naja, davon ist nur eine tatsächlich durchführbar (aber auch wieder mit etwas „Minenfeld“, wer sich an den letzten Beitrag erinnert). Die Nacht verbringen wir in der Nähe von Sussex. Idealer Zwischenstopp um am nächsten Tag in den Fundy Trailpark zu fahren. Leider auch noch geschlossen. Und bei dem liegt die Betonung echt auf ‚leider‘. Er zieht sich ziemlich in die Länge, bietet aber schöne Aussichtspunkte, Wasserfälle, Zugänge zum Meer und natürlich Wanderrouten. Wir sind einige Kilometer in den Park hineingelaufen, da vor allem die Sonne auf unserer Seite ist und die Landschaft wunderschön aussieht. Am ersten Aussichtspunkt lernen wir ein Pärchen aus New Brunswick kennen, die uns noch ein paar Tipps für ihre Provinz geben. Vor allem, haben sie uns empfohlen, die Nacht in Saint John zu verbringen, ein bisschen Nachtleben mitzunehmen und noch den Irving Nature Park zu erkunden. Gesagt, getan. Auch wenn es einen faden Beigeschmack hat, dass der so eben genannte Park von einem der größten kanadischen Sprit-Anbietern an der Ostküste als Ausgleich zum Umweltschutz kostenlos eingerichtet und angeboten wird, ist er wirklich schön und einladend gemacht.

Insider-Tipps der Locals sind die Besten

Versteckter Welsford Wasserfall

Die Nacht verbringen wir in einem sehr coolen Boutique-Hostel, direkt im Zentrum von Saint John. Abends sind wir erst noch lecker im Port City Royal essen und anschließend für ein paar Drinks im örtlichen Irish Pub Cask & Kettle. Den nächsten Vormittag nutzen wir um uns Saint John noch ein bisschen mehr anzuschauen. Anschließend wollen wir die erhaltenen Tipps des Pärchens in die Tat umsetzen. Sie haben uns einen Wasserfall (Welsford Falls) und eine Wanderung durch Militärgebiet empfohlen. Vor allem bei letzterem muss man sich bewusst sein, dass man dabei mehrere Gesetze bricht. Wir konnten beides finden, waren risikobereit und haben dadurch die Gegend zwischen Saint John und Fredericton noch ein wenig erkundet. Und offensichtlich wir sind nicht im Gefängnis gelandet. 🙂 Auf der Weiterfahrt sind wir noch ein bisschen durch Fredericton gelaufen, was wir vor allem ein paar Tage zuvor aufgrund von Überschwemmungen in den Nachrichten gesehen hatten. Ein paar Spuren sind noch zu sehen, aber es ist weniger schlimm, als wir es erwarteten.

So sollte Eis am Stiel immer sein

Die letzte Nacht vor Montreal verbrachten wir in Edmundston, was vor allem am nächsten Tag von Vorteil sein sollte. Denn die Stadt befindet sich noch in New Brunswick – mit der Fahrt zurück nach Quebec stellen sich die Uhren allerdings wieder um eine Stunde zurück. Somit haben wir eine Stunde gewonnen und konnte noch entspannter zurück fahren. Den ersten richtigen Zwischenstopp legen wir im Mont Saint Bruno National Park vor den Toren Montreals ein. Dieser ist tatsächlich der erste Park, der auch wirklich mal offiziell geöffnet hat. Dementsprechend viele Menschen sind auch unterwegs, dennoch konnten wir in Ruhe spazieren gehen. Bei dem schönen Wetter und den frühlingshaften Temperaturen bekomme vor allem ich schnell Lust auf ein Eis und wir konnten eine geile Eisdiele in der Nähe finden. Dort gibt es nicht das schnöde Kugeleis, sondern (veganes) Eis oder Sorbet am Stiel mit Schokiglasur, Toppings und Sauce nach Wahl. Der Hammer und so lecker.

Montreal, überraschend gut

Unser ursprünglicher Plan, erst unser Gepäck ins Hostel und dann den Mietwagen zurück zum Flughafen zu fahren, geht aufgrund des sehr starken Verkehrs leider nicht auf. Also fahren wir direkt zum Flughafen und dann mit dem öffentlichen Bus und samt Gepäck in die Stadt. Zum Glück (für mich) war unser Hostel nur ein paar Minuten von der Bushaltestelle entfernt. Am Abend sind wir noch Dumplings essen und ein bisschen in das Nachtleben der Stadt eingetaucht. Allerdings bin ich relativ müde (Jetlag oder so). Es muss auch erwähnt werden, dass ich im Vorfeld so viele Restaurant-Tipps und -empfehlungen bekommen habe, dass das in 2 Tagen nicht zu schaffen war. Wir konzentrieren uns also hauptsächlich auf die Ecke der Stadt, in der wir gerade Hunger bekamen und worauf wir kulinarisch am meisten Lust hatten.

Die Kathedrale Notre Dame in Montreal

Am zweiten Tag erkunden wir vor allem die Stadt. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite (Sonnenbrandgefahr!) und wir sind vor allem darüber froh, auch unsere kürzeren Sachen mal aus dem Koffer holen zu können. Montreal ist zwar vom Stadtbild eher vergleichbar mit einer Großstadt wie Vancouver (Bankenviertel, Altstadt etc.), aber die Stimmung und Ausstrahlung hat mich absolut überzeugt. Wahrscheinlich ist die Stadt eher etwas für jüngere Leute, da man einfach sehr viele davon sieht – und dann noch die unterschiedlichsten Menschen. Jeder kann sein und leben, wie er will und ist. Das hat mich auch an Vancouver erinnert, was ja sozusagen ein bisschen Zuhause und Heimat geworden ist. Im Hostel haben wir schon dem Tipp bekommen, beim wöchentlichen immer sonntags stattfindenden Tam-Tams-Festival vorbeizuschauen. Dort treffen sich östlich vom berühmten Mont Royal viele Menschen und tanzen und feiern zum Takt von verschiedenen Trommlern, die das auch nur aus Spaß an der Freude machen. Diese Stimmung ist unbeschreiblich und man muss es einfach mal erlebt und gesehen haben.

Montreal ist bunt und tolerant

Wir haben uns das etwa eine halbe Stunde lang angeschaut und dann den berühmten Hügel Montreals erklommen, um eine super Aussicht auf die Stadt zu bekommen. Unser letztes Abendessen haben wir im nahegelegenen, vegetarischen Restaurant Lola Rosa Café genossen. Mmmhhh, ein perfekter Abschluss unseres Trips.

Den nächsten Tag gehen wir u.a. noch zur Notre Dame Kathedrale und erledigen die letzten Souvenir- und Mitbringsel-Einkäufe. Dann heißt es Abschied nehmen, denn mein Rückflug geht schon 2 Stunden früher als Lenas. Unser erster gemeinsamer Roadtrip neigt sich dem Ende zu – und hoffentlich war es nicht der letzte. Vor allem für mich nicht an der kanadischen Ostküste – bei so viel leckerem Essen. Und wo sonst habe ich bisher ein bisschen Heimatgefühl in Nordamerika bekommen.

An vielen Häuserwänden findet man bunte Kunst

3 Kommentare bei „Ostküste Kanadas – Ein bisschen wie Heimat (Teil 2)“

  1. Liebe Tine, wieder ein schöner Beitrag als Du mit Lena unterwegs warst. Nun scheint Ihr fleißig zu arbeiten. Muss ja auch sein. So viele schöne Bilder von der Natur. Einfach sehenswert.
    Liebe Grüße aus der Heimat
    von 0+0

  2. Qing Hua Dumplings <3

    1. Jaaaaaaaa, so lecker <3

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