Nachhaltig Reisen – Alles ohne Plastik, oder was?

Mit diesem Blogbeitrag möchten wir uns mal einem ganz anderen Thema widmen. Manch einer kann uns jetzt unterstellen, dass wir ja nur auf den rollenden Zug aufspringen (zu Recht!). Ehrlicherweise setzen wir uns erst seit Herbst 2018 immer mehr mit Nachhaltigkeit auseinander. Es fing doch schon kurz vor Greta an und mag vielleicht am kaum vorhandenen Umgang mit dem Thema in Nordamerika, allen voran den USA, liegen.

Wir sind auf jedenfall ganz weit davon entfernt, perfekt nachhaltig zu leben – sonst hätten wir sicherlich auch mindestens 6 Monate auf einem solarbetriebenen Segelschiff bis nach Neuseeland gebraucht und wären nicht schon hier. So don’t judge us, please! Allerdings ist das Thema Nachhaltigkeit so aktuell wie nie und es ist schon hilfreich, wenn jeder erstmal nur eine Kleinigkeit im Alltag umstellt. Falls ihr also Lust habt, zu sehen, was wir bereits tun und was man noch tun kann, dann lest gerne weiter.

Welche negativen Erlebnisse hattet ihr zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘?

Thailand: Den krassesten (vielleicht auch weil aktuellsten) negativen Umgang mit Plastik hatten wir während unserer einen Woche in Asien. Es hat uns fast umgehauen, wieviele Verpackungen es in Thailand gibt. Und dass so viele Produkte doppelt und dreifach verpackt sind. Man braucht nur ein bisschen recherchieren, um schnell festzustellen, dass das Land eines der fünf größten Plastikverursacher in Asien ist. In unserem Urlaubsort Klong Prao auf Koh Chang haben sie fast jeden Abend einfach ihren Müll verbrannt. Erschreckend ist dazu noch, wenn man liest, dass Länder wie Deutschland einen Teil ihres Mülls nach Asien verkaufen. Somit laden wir „unsere Probleme“ in Thailand und Co. ab, die eh schon kein wirklich (gutes) Recyclingsystem haben. Allerdings haben ein paar Supermärkte angefangen, Obst und Gemüse in Bananenblättern zu verpacken (so wie sie es früher wohl schon getan haben). Und in Bangkok versucht man auch, Touristen und Einwohner mit Schildern zu sensibilisieren (siehe Titelbild).

Thailand punktet nicht mit seiner Nachhaltigkeit

USA: Dass sich viele europäische Besucher über den unnötigen Plastikmüll aufregen, ist leider nichts neues. In vielen Supermärkten wird der gesamte Einkauf in Plastikbeuteln verpackt. Teilweise sogar doppelt, weil der Inhalt zu schwer sein und der Beutel reißen kann. Einmal musste ich im Supermarkt mit einem Kassierer diskutieren, da er nicht verstanden hat, warum ich meine Einkäufe nicht in einem Plastikbeutel verpackt haben wollte. „Die sind doch gratis“, meinte er. Daraufhin musste ich ihm erklären, dass es mir nicht um den Preis, sondern um die Nutzung geht. Er konnte oder wollte das nicht verstehen.

Kanada: Ich will Nordamerika nicht vereinheitlichen, aber das Nachbarland der USA ist leider nicht viel besser. Obwohl es dort gefühlt weniger Plastikbeutel in Supermärkten gibt und das Verständnis größer ist, wenn man mit seinen eigenen Beuteln einkaufen geht. Wahrscheinlich hat uns vor allem die Arbeit in den Foodtrucks negativ geprägt. Dort ist es nämlich richtig schwer, umweltschonend zu arbeiten und Nachhaltigkeit ist eher fehl am Platz. Teilweise wird es versucht, indem man auf manchen Events Plastikbesteck verbietet. Dennoch wird das Herz eines jeden Umweltschützers auf den Events bluten.

Und welche positiven Erlebnisse hattet ihr?

Neuseeland: Tatsächlich begeistert das Kiwi-Land nicht nur mit wunderschöner Natur, sondern auch seinem Sinn für Nachhaltigkeit. Vor allem im Vergleich zu unseren Erlebnissen in Asien und Nordamerika wird hier viel Wert auf Umweltschutz gelegt. In allen Supermärkten und vielen Geschäften gibt es seit 2019 ein Plastikbeutel-Verbot. Überall hängen Schilder, dass man an seine eigenen Beutel für den Einkauf denken soll. Zur Not verkaufen sie aber auch noch Stoffbeutel. In Deutschland ist es ja mittlerweile ja üblich, dass man seine Frischenetze für Obst und Gemüse mit zum Einkaufen nimmt. Auch in Neuseeland wird man dafür nicht schief angeschaut. Manche Marken verpacken Lebensmittel wie Tomaten, Zucker, Müsli und Gewürze nicht mehr komplett in Plastik, sondern in größtenteils Papier.

Tipp: Die Gemüsenetze lassen sich auch einfach als Wäschenetze verwenden – oder andersherum.

Außerdem gibt es in Neuseeland das sogennante ‚Health Star Rating‘. Leider ist es nicht für jedes Unternehmen verpflichtend, sich daran zu beteiligen, denn es hilft dem Endverbraucher ungemein, auf seine Ernährung zu achten. Kurz gesagt: Ein Produkt erhält zwischen 0,5 (ungesund) und 5 Sterne (gesund). Das erleichtert beim Einkauf den Vergleich verschiedenster Marken und spart darüber hinaus noch Zeit. Deutschland tüfftelt ja noch an so einem System, hoffen wir, dass es etwas ähnliches bald geben wird.

Kanada: Ich erinnere mich an die ein oder andere Bar, in der sie Cocktails mit Glas- oder Metall-Strohhalmen serviert haben. Teilweise konnte man auch etwas mehr zahlen und diesen mit nach hause nehmen. Ansonsten finde ich es super, dass Kanada bis 2021 alle Einmalplastik wie Strohhalme, Besteck und Teller verbieten will.

Was macht ihr konkret mittlerweile zum Thema ‚Nachhaltigkeit‘?

Second-Hand: Vor allem in Kanada haben wir angefangen eher in Secondhand-Läden nach Klamotten zu schauen, wenn wir etwas brauchten. Vielleicht täusche ich mich und in Lörrach ist das Angebot einfach nicht so groß, denn mein Gefühl ist, dass es in Nordamerika viel verbreiteter und normaler ist, Kleidung von zweiter Hand zu kaufen. In Deutschland habe ich so etwas immer mit Vintage, uncool und alt/muffig verbunden. Auch in Neuseeland versuchen wir möglichst wenig neu zu kaufen und mehr gebraucht zu erwerben oder benutzen. Und natürlich nur noch das, was auch wirklich brauchen.

Eigenes Besteck: Es klingt so simpel, doch darauf habe ich die größten Reaktionen bekommen. Während meines Jobs in der Eisdiele in Vancouver fing ich an, zusammen mit meinem Mittagessen mein eigenes Besteck mitzubringen. Hauptsächlich da wir in der Arbeit keine Küche hatten. Allerdings wurde es so selbstverständlich für mich (und ich hab auch schnell den umweltbewussten Nutzen festgestellt), dass ich fast immer eine Gabel, einen Löffel und ein Messer in meinem Jutebeutel dabei hatte . Vor allem als ich im Foodtruckgeschäft gearbeitet habe, konnte ich dadurch größtenteils auf Plastik verzichten. Eine meiner Kolleginnen hat mich einmal ganz überrascht angeschaut und fand es dann richtig cool, dass ich mein eigenes Besteck dabei habe. Anfangs noch lose in meinem Jutebeutel herumfliegen, wodurch sich die Gabel gerne gepiekst hat. Mittlerweile habe ich auch eine Tasche, die noch um Stoffservietten und Metallstrohhalme erweitert wurde.

Bestecktasche und faltbare Silikonbox

Behälter für Essen(sreste): Wahrscheinlich einer meiner besten Käufe in 2019. Eine Silikonbox, die sich platzsparend zusammen falten lässt und somit immer dabei sein kann, wenn ich weiß, dass ich essen gehe. Meistens schaffe ich meine Portionen nämlich nicht und habe mich echt zunehmend schlechter gefühlt, wenn ich wieder nach einer Box zum Mitnehmen fragen musste. Dann habe ich in der Packliste von Katrin eine ähnliche faltbare Dose entdeckt. Da war sie, die perfekte Lösung für mich. Auch sonst nutzen Pirmin und ich mittlerweile zu gerne verschiedenste (Tupper-)Dosen und alte Joghurtgläser für die Aufbewahrung von Lebensmitteln und Essensresten.

Bienenwachstücher: Als ich anfing mich mehr mit Nachhaltigkeit auseinander zu setzen, stieß ich relativ schnell auf diese tollen Tücher. Kann man entweder aus alten Küchentüchern selber machen oder fertig kaufen. Ich habe letzteres in Kanada getan, ein Set mit drei verschiedenen Größen. Seither verwenden wir so gut wie keine Alu- oder Plastikfolie mehr.

Praktisches Aufbewahren – wiederverwendbar und ohne Plastik

Eigene Becher/Flaschen: Die haben wir tatsächlich bereits seit Anfang unserer Reise und sie leisten uns weiterhin treue Dienste. In meinem to-go-Becher nehme ich morgens meinen Tee auf den Weg zur Abeit mit. Und er ist auch sonst praktisch, wenn ich mir unterwegs einen Kaffee/Tee/Smoothie etc. gönnen will.

Gemüse- und Obstnetze: Haben wir ja weiter oben bereits angesprochen. Plastikbeutel ade.

Nachfüllen: In Kanada habe ich schon ein bisschen damit begonnen und zumindest meine ätherischen Öle wieder nachfüllen lassen. In Neuseeland betreibe ich das jetzt vermehrt. Zum Glück ist ein cooler Nachfüllladen in unserem Viertel, was es viel einfacher macht, Shampoo, Spülung, Waschmittel, Duschgel und Geschirrspülmittel wieder aufzufüllen. Einzig was mich etwas stört, sind die höheren Preise im Vergleich zum Supermarkt. Natürlich ist auch vieles Bio und nachhaltiger, aber das hilft nicht dabei, es für den Endverbraucher attraktiver zu machen, wenn man z. B. für Backpulver drei mal so viel zahlen muss.

Bambus Pads (als Make Up Entferner): Ich trage mittlerweile nur noch sehr selten Schminke, dennoch ist es krass, wieviel Abfall man mit Abschminktüchern und Wattepads verursacht. Mit den wiederverwendbaren Pads aus Bambus kann man einfach und praktisch das Gesicht reinigen, z. B. geht das wunderbar mit Kokosöl. Die benutzen Pads kommen in den Netzbeutel, den man i. d. R. immer gratis dazu erhält, und alles zusammen in die Waschmaschine.

Abschminken leicht gemacht

Produkte selber herstellen: Noch eine Sache, die ich erst vor kurzem ein bisschen getestet habe. Ich hatte einfach keine Lust immer alles neu kaufen zu „müssen“. Dann bin ich auf Smarticular gestossen und habe seither eine Deocreme mit Lavendelduft (mmmhhh) und ein Anti-Müffel-Schuhspray selber gemacht. Außerdem gibt es auf der Seite super viele Tipps, welche Hausmittel gut bei welchen Flecken, Gerüchen etc. helfen. Reinschauen lohnt sich.

Wie ich bereits eingehend meinte, sind wir sicherlich nicht perfekt. Aber ich finde, dass es viel mehr Wert ist, wenn man sich bewusst wird, was man ändern kann. Wenn man es dann noch schafft, eine Gewohnheit zu ändern, mit dem Wissen, der Umwelt etwas gutes zu tun, kann das regelrecht Glücksgefühle in einem auslösen. Als ich das erste Mal mit meiner Silikonbox eine Papiertüte zum Kauf von zwei Berlinern vermeiden konnte, hat mich das unglaublich glücklich gemacht. Das klingt jetzt vielleicht bescheuert, aber ich war in dem Moment stolz darauf, meinen Teil zum Umweltschutz beizutragen.

Wie gehst du mit dem Thema ‚Nachhaltigkeit‘ um? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Wie gesagt, mir ist klar, dass es noch viel viel mehr Möglichkeiten gibt und ich weit davon entfernt bin, perfekt nachhaltig zu leben. Aber jede Kleinigkeit zählt.

Ich mache keine bezahlte Werbung für die genannten Produkte oder Blogs. Allerdings bin ich davon begeistert und möchte diese gerne mit euch teilen. Folgende Quellen habe ich für diesen Blogbeitrag genutzt

Die Natur dankt es uns (Foto von den Bridal Veil Falls in Neuseeland)

4 Kommentare bei „Nachhaltig Reisen – Alles ohne Plastik, oder was?“

  1. Hallo Tine,
    ein sehr schöner Beitrag, wie man mit Kleinigkeiten einiges verändern kann.
    Weiter so, es gibt für uns auch einige Anregungen.
    Wie hat man mal gesagt: Auch Kleinvieh macht Mist. oder so ähnlich.
    Ihr lieben Beiden

    alles Liebe und Gute, bleibt gesund
    von den Großeltern

    1. Hallo ihr Beiden, vielen Dank für eure lieben Worte. Das freut mich, wenn für euch etwas dabei war 🙂
      Bleibt ihr bitte auch gesund. Alles Liebe für euch und viele Grüße in die Lausitz
      Tine

  2. Hi mein Schatz,toller Beitrag!!! Hatte schon angefangen mit dem Lesen, aber jetzt erst Zeit es zu Ende zu bringen. Wir geben uns auch Mühe unnötigen Müll zu vermeiden, das Besteck klingt super und die Box für Essensreste könnte eins meiner nächsten Geburtstagsgeschenke werden….seid lieb gedrückt!!

    1. Hallo Mutti, das freut mich, dass für dich noch die ein oder andere Inspiration dabei war. Essensbox ist als Geschenkidee vermerkt 🙂 viele Umarmungen

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