Alles anders als gedacht – Einmal Reset, bitte

Was sollen wir sagen? Wir fühlen uns ein bisschen wie bei Harry Potter, da alle über Covid-19 sprechen, geht man irgendwann dazu über, nur noch zu sagen „Du weißt schon was“. Denn das Wort, was nicht genannt werden darf, hat so ziemlich alles auf den Kopf gestellt. Achja, wer hätte auch gedacht, dass dieser Virus die ganze Welt lahm legt und man nicht mal im weit entfernten Neuseeland sicher ist. Aber einfach mal der Reihe nach.

Fahrt zum Cape Reinga

Der Februar ist ja unser Geburstagsmonat. Pirmins Ehrentag fiel in unser Wochenende und wir haben noch einen etwas aufwändigeren Trip unternommen. Cape Reinga hatten wir schon etwas länger mit Fragezeichen auf unserer Liste. Zu der Zeit habe ich Montag nur einen halben Tag gearbeitet und Pirmin konnte seinen Chef überreden, auch früher Feierabend zu machen. Somit konnten wir bereits nachmittags in Richtung Norden fahren. Auf der Fahrt konnte ich noch ein richtig geiles AirBnB ergattern. Das war zu dem Zeitpunkt noch ziemlich neu auf der Plattform und wie sich herausstellte, waren wir tatsächlich deren ersten Gäste.

Paradiesisch schön: der Garten Ed.. äh, Neuseelands

Unweit des Highways und doch gefühlt mitten im Nirgendwo gelegen, haben wir uns in einem kleinen Paradies wiedergefunden. Wir haben die Nacht in einer kleinen, gemütlichen Hütte verbracht, die von unseren Gastgebern selber gebaut wurde. Es gab kein Strom und Internet und wir lieben das ja tatsächlich, einfach mal von der Welt abgeschnitten zu sein. Das Grundstück ist riesig mit einem wunderschönen Garten und vielen Obstbäumen. Wir durften uns ein paar Mandarinen mitnehmen, die einfach köstlich waren.

Wo zwei Meere aufeinander treffen

Dann ging es zum nördlichsten Punkt Neuseelands. Die Fahrt zieht sich schon ein bisschen und die Strecke ist relativ unspektakulär. Vom Parkplatz aus kann man bis zum Leuchtturm laufen. Leider war es relativ bewölkt am Cape, dennoch kann man sehen, wie der Pazifische Ozean auf die Tasmansee trifft (Pirmins Klugscheißerkommentar: Oder eben auch nicht!). Wer also etwas Zeit hat, kann sich tatsächlich überlegen, die Fahrt zum Cape Reinga anzutreten. Es lohnt sich, es einmal gesehen zu haben. Die Betonung liegt auf „einmal“ – das reicht dann meiner Meinung nämlich auch.

Yippiie, wir sind am nördlichsten Punkt

Natürlich haben wir dann auch die restlichen typischen Touri-Attraktionen mitgemacht: ein kurzer Spaziergang über den 90 Mile Beach. Mit unserem Auto haben wir uns allerdings nicht drauf getraut. Der Strand an sich ist auch am coolsten, wenn man ihn befährt, sonst nämlich nicht sonderlich schön. Und wir waren noch bei den hohen Sanddünen und sind auf Sandboards die Dünen hinunter gerutscht. Der Weg nach oben ist auf jedenfall ein gutes Workout! 🙂

Pirmin beim Sandboarden

Am nächsten Tag war dann Pirmins Geburtstag und wir sind mit Real Fruit Ice cream (soooo lecker) und Tee bzw. Kaffee in den Tag gestartet. Danach haben wir langsam die Rückfahrt angetreten, da wir ca. 5 Stunden reine Fahrtzeit vor uns hatten.

Muriwai mit seiner Vogelkolonie

Die Woche darauf sind wir nach Muriwai gefahren, was nur eine knappe Stunde von Auckland entfernt ist. Es ist einer der wenigen Brutplätze der Tölpel in Neuseeland. Von August bis März brüten die Tiere zu hundertst auf Felsen in direkter Strandnähe. Es hat manchmal mächtig gestunken, das kann ich euch sagen. Den Tipp, dorthin zu fahren, haben wir übrigens von einem Schweizer Pärchen bekommen, die wir erst über Instagram und dann Mitte Januar auch persönlich in Auckland kennengelernt haben.

Brutplatz der Tülpel-Kolonie

Dann stand schon mein Geburtstag an. Ich habe es erst mit Arbeitskollegen (zu sehr) krachen lassen und wir haben auch noch separat mit ein paar Freunden gefeiert. Meine Eltern haben uns einen Besuch bei meinem Lieblingsitaliener in Auckland spendiert (lieben Dank nochmal, ich wünschte, wir hätten zusammen dorthin gehen können). Pirmin und ich sind noch für eine Nacht zu den Kai Iwi Lakes (siehe Beitragsbild) gefahren und haben einen Umweg über den Waipoua Forest (dort steht der Lord of the Forest, größter, lebender Kauri Baum in Neuseeland) gemacht. Somit hatten wir so ziemlich alle Dinge, die wir in Northland sehen wollten, gemacht. Und waren startklar für unseren Roadtrip Richtung Süden.

Neuseeelands ‚Herr des Waldes‘

Besuch aus Deutschland

Und dann kamen auch schon nacheinander die Mädels aus Deutschland, wollten wir ja alle zusammen reisen gehen. Langsam wird „ihr wisst schon“ einer immer größeres Thema, aber mit einem Lockdown haben wir noch lange nicht gerechnet. Vicky flog Mitte März ein, Lena folgte eine Woche darauf (am Tag als die Grenzen geschlossen wurden, hätte wohl das erste Indiz sein sollen). Ursprünglich wollte uns auch noch Äni besuchen, aber dann.. naja. Kurz nach Lenas Ankunft kam auf einmal die Hiobsbotschaft: Lockdown für alle und jeden, ab 25. März.

Somit saßen wir alle in Auckland fest. Mein Vertrag bei GO Rentals lief eh Ende März aus, Pirmin hat vor der Ankündigung seinen Vertrag gekündigt. Wir haben uns zwar auch über die freie Zeit gefreut, haben sie uns aber doch ein wenig anders vorgestellt. Jeder von uns musste die Entscheidung treffen, ob man zurück nach Deutschland geht (mit dem anlaufenden Rückholprogramm der Regierung) oder es quasi in Neuseeland aussitzt. Nach ein paar Tagen haben Pirmin und ich uns für letzteres entschieden, da unsere Jobmöglichkeiten in Deutschland so ziemlich gleich sind, wir aber auch Neuseeland nicht verlassen wollen, ohne es bereist zu haben. Vicky und Lena sind mittlerweile leider schon lange wieder zurück in Deutschland. Der gemeinsame Trip ist allerdings nur aufgeschoben (hoffe ich).

Wie geht’s jetzt weiter?

Ja, und nun? Pirmin und ich haben glücklicherweise wieder neue Jobs gefunden. Nach (nur) 3 Wochen zuhause arbeiten wir zur Zeit bei Fisher & Paykel. Die stellen neben Kühlschränken und Co. auch medizinische Produkte her. Und das machen Pirmin und ich jetzt in verschiedenen Produktionsteams, tatsächlich für das gleiche Endprodukt (Pirmin die Maschine und ich die Nasenkanüle). Der sogenannte Airvo Optiflow wird weltweit erfolgreich in der Behandlung des Viruses eingesetzt (könnt ihr auch hier in einem Nachrichtenbeitrag aus Iowa sehen).

Unser grober Plan ist, erstmal möglichst bis zum Ende unseres Visums (Mitte Oktober) zu arbeiten und dann unseren Roadtrip durch Neuseeland zu machen. Wir dürften das zwar auch jetzt schon wieder, aber der Winter reizt uns nicht wirklich zum Reisen. Aber vielleicht schaffen wir es mal für ein Wochenende auf die Südinsel, um hoffentlich die südlichen Polarlichter zu sehen?

Raus aus der Stadt

Wir konnten sogar schon wieder einen Roadtrip machen. Am Pfingstwochenende hatten wir auch den Montag frei und sind mit Freunden (nochmal) in den Norden gefahren. Wir haben sämtliche Wasserfälle in der Umgebung von Paihia gesehen, eine gratis Bootsfahrt (da manche aus der Gruppe Parasailen waren) und zwei Nächte auf der Karikari-Halbinsel in einem sehr modern eingerichteten Haus verbracht. Wettertechnisch hatten wir sogar Glück, da es nur Sonntag durchgeregnet hat – man bedenke, dass es ursprünglich das gesamte Wochenende regnen sollte. Den Tag haben wir dann einfach drinnen verbracht, gelesen, gepuzzelt, getanzt und eine richtig gute Zeit gehabt.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig

Wann wir wieder in Deutschland/Europa sein werden, wissen wir allerdings noch nicht genau. Es ist recht schwierig, derzeit Pläne zu schmieden.

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6 Kommentare bei „Alles anders als gedacht – Einmal Reset, bitte“

  1. Eberhard&Gudrun sagt: Kommentieren

    Hallöchen der lang erwartete Beitrag. Da habt ihr trotz Corona einiges erleben können.
    Wie lange wollt oder dürft Ihr noch arbeiten? Wann soll die Südtour starten?
    Bei uns ist alles i. O. Wir erwarten starke Gewitter, haben jetzt 30*+
    Waren heute anbaden Wasser 20*:
    So Ihr lieben Zwei
    danke für den schönen Beitrag und die Bilder.
    Liebe Grüße von den Großeltern aus
    Brandenburg

    1. Hallo ihr Beiden 🙂 Wassertemperaturen von 20 Grad klingen gut, nur 30 Grad ist ja schon wieder zu heiß. Das macht ja auch kaum Spaß, draußen zu sein.

      Wir dürfen offiziell mit unserem Visum noch bis Mitte Oktober arbeiten und danach soll dann die Südtour starten, dann ist in Neuseeland auch wieder Frühling und Sommer.
      Ganz liebe Grüße in die Lausitz und schmelzt nicht weg,
      Tine

  2. Hi ihr Beiden, schön von euch zu hören und schön, dass es euch gut geht. Ist schon ein tolles Land…..aber die Südinsel wird euch noch mehr begeistern. Die Bilder sind sehr schön!!!!Gut, dass ihr geblieben seid, auch wenn es schön wäre, euch mal wieder zu drücken. Noch eine gute Zeit und lässt uns weiterhin teilhaben. ⛰‍♂️‍♀️

    1. Hallo meine lieben Ellis, wir freuen uns schon so sehr auf die Südinsel. Dann wird es hoffentlich auch wieder regelmäßig(er) Beiträge geben 🙂 bleibt gesund und genießt den Sommer. hab euch lieb

      1. Hallo ihr Lieben!!!
        Wie schön, auf diesem Weg von euch zu lesen und sehen. Wir glauben auch, dass es der richtige Weg war in Neuseeland zu bleiben. Auch wenn es super schön gewesen wäre euch in „echt“ zu sehen Und dass ihr beide unter diesen Umständen einen Job gefunden habt ist wohl richtig Glück . Wir freuen uns mitzuerleben, dass es euch gut geht, ihr gut und gesund durch diese turbulenten Monate kommt und ihr das allerbeste aus dieser Zeit macht!!!
        Bei uns ist alles ganz gut. Wir arbeiten beide wieder 100 %. Oma und Opa sind fit und munter und dauernd unterwegs .
        Fühlt euch gaaaaaaaaanz fest gedrückt! Liebschti Grüeßli us Aichen, bliibed xsund und gänd öi Sorg Mum und Thomas

  3. […] unseres letzten langen Wochenendes sind wir wieder auf den Geschmack fürs Reisen gekommen. Keine Sorge, wir hatten das vorher nicht […]

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