Liebe auf den ersten Blick – Neuseelands Südinsel

Wir sind verliebt. Mal wieder. In einem Monat auf der Südinsel haben wir schon viel gesehen und erlebt – und wir mussten bisher auch erst einmal gerettet werden. Dazu aber später mehr (Teaser olé).

Rochen und Delfine zum vorm Frühstück

Bereits bei unserer Ankunft sind wir von Picton begeistert. Ein süßer Ort eingebettet in traumhafter Kulisse. In Anakiwa ergattern wir den letzten freien Spot auf dem gratis Campingplatz und können unser Glück kaum fassen. Die Marlborough Sounds sind Liebe auf den ersten Blick. Am nächsten Morgen zeigt mir ein Mitcamper einen Schwarm Delfine, der sich in der Bucht aufhält. Leider zu weit von uns entfernt, dass man ihn manchmal kaum ausmachen kann. Wir laufen zum Badesteg um noch ein paar Meter näher heran zu kommen (was so gesehen keinen wirklichen Unterschied macht). Eine Mama ist mit ihren drei Kindern dort, die entweder angeln, baden oder die ganze Zeit Blödsinn machen. Sie zeigen uns die Rochen, die immer wieder um den Steg herum schwimmen.

Ein Erlebnis, was man so schnell nicht vergisst.

Gemeinsam versuchen wir die Einheimischen, die mit ihren Privatbooten in die Bucht fahren, zu überreden, die Delfine näher zu uns zu locken. Eine Familie kommt nach einer Weile zurück und teilt uns mit, dass die schlauen Tiere sich nicht austricksen lassen, allerdings nehmen sie uns alle gerne eine Runde mit zum Schwarm. Wir können unser Glück kaum fassen und kommen in den Genuss einer privaten Tour, um Delfine in der Wildnis zu sehen. Überglücklich und aufgeregt vor Freude laufen wir gegen halb elf zurück zu unserem Campervan und frühstücken erstmal.

„Wie knuffig sind denn bitte diese Wekas?“ – „Warte erst bis sie frech werden.“

Am Nachmittag laufen wir einen Teil des bekannten Queen Charlotte Track und können uns an den wunderschönen Sounds kaum satt sehen. Den nächsten Tag fahren wir tiefer in die Sounds hinein und verbringen die Nacht in Kenepuru Head. Dort treffen wir auch das erste Mal auf die frechen Wekas. Die Vögel können wie die Kiwis auch nicht fliegen, zu Fuß können sie dafür manchmal erstaunlich schnell sein. Und sie klauen alles, was auf dem Boden herumliegt, bevorzugt Essen. Auf Schildern wird gewarnt, die Wekas nicht zu jagen, wenn sie etwas geklaut haben und man das wieder haben möchte. Lieber mit etwas Abstand langsam hinterherlaufen bzw. beobachten und es sich wiederholen, wenn der Weka (hoffentlich) das Interesse daran verloren hat.

Pelorus Bridge: Wenn man lange genug wartet, tauchen vielleicht Zwerge in Fässern auf.

Nach einer weiteren Nacht in den Sounds regnet es den folgenden Tag und wir fahren nach Blenheim. Die Stadt ist allerdings sehr unspektakulär, selbst als es aufhört zu regnen und wir einen kleinen Spaziergang machen. Da wir keine wirkliche Lust auf Wine Tastings haben (bzw. einfach keine Weintrinker/-kenner sind) fahren wir nach einer Nacht Richtung Nelson. Bei der Pelorus Bridge machen wir einen Stopp. Dort wurde die Fässer-Szene aus einem der Hobbit-Filme gedreht. In Nelson besuchen wir den Japanischen Garten und treffen uns abends mit unserem ehemaligen Vancouver-Mitbewohner Stephen. Es ist immer wieder schön, beim Reisen Freunde wiederzusehen.

Die goldene Bucht Neuseelands

Da das Wetter die kommenden Tage sehr durchwachsen sein soll, schieben wir unseren geplanten Kayaktrip noch etwas auf und fahren zum nördlichsten Teil der Südinsel. Wir wandern durch schönen Regenwald zu den Wainui Falls. Die Fahrt dorthin lohnt sich und wird von Felsvorhängen gesäumt. Am nächsten Morgen besuchen wir den Wochenmarkt in Takaka (immer samstags), kaufen u. a. ein richtiges (gscheits) Körnerbrot und freuen uns so darüber. Anschließend fahren wir die schöne Strecke des Vortages noch einmal, da wir diesmal in den nördlichen Teil des Abel Tasman NP wollen. Von Totaranui laufen wir in Richtung Süden. Als wir am Strand der Waiharakeke Bucht ankommen, ziehen immer dunklere Wolken auf und wir drehen wieder um. Die Nacht verbringen wir relativ günstig im Golden Bay Holiday Park. Mittlerweile sind Dinge wie Duschen, Waschmaschinen oder eine größere Küche Luxus für uns geworden. Wir wissen so etwas eigentlich Selbstverständliches immer mehr zu schätzen.

Wharariki Beach: Mit etwas Glück sieht man hier Seehunde.

Ein paar Leute haben uns einen Besuch des Wharariki Beach empfohlen. Kleiner Tipp: Jeder Windows 10-Nutzer hat den Strand bereits gesehen, da er einer der Standard-Hintergrundbilder ist. Bereits die kurze Wanderung dahin lohnt sich, da diese landschaftlich sehr kontrastvoll ist (grünes Gras mit Kühen und Schafen, Sanddünen, große Steinfelsen). Mit etwas Glück findet man auf dem Parkplatz Pferde, einen Pfau oder Gänse. Bevor wir wieder zum südlichen Teil des Abel Tasman NP fahren, stoppen wir noch bei den Labyrinth Rocks (der Name sagt alles), den Te Waikoropupu Springs (die wohl klarsten Quellen) und ich gönne mir etwas Lachs der Farm Anatoki (man könnte seinen Fisch sogar selber angeln).

Abel Tasman ist wirklich so schön, wie alle sagen

Endlich klart das Wetter auf und es sind drei Sonnentage am Stück prognostiziert. Wir buchen unseren Kayaktrip, was zu der Zeit überhaupt kein Problem ist (im Gegenteil: jeder Anbieter ist froh über Kundschaft). Nach einer ausführlichen Einweisung, kleineren Rettungsübungen und dem Verstauen unseres Gepäcks geht es aufs Wasser. Wir bekommen ein paar letzte Tipps und sind dann für etwa 2,5 Tage auf uns gestellt. Anfangs regnet es noch etwas und wir machen eher Strecke, da wir eine Tour gebucht haben, bei der wir am Ende die gesamte Strecke zurück paddeln. Wir kommen schon relativ früh an der ersten Campsite (Anchorage Bay) an und stellen fest, dass die Strecken auf der Karte weiter wirken als in der Realität. Das ist allerdings überhaupt nicht schlimm.

Mittlerweile scheint nämlich die Sonne. So kann ich noch ein bisschen wandern gehen, nachdem das Zelt steht. Pirmin spaziert derweil am Strand entlang. Wir machen den Großteil des Trips gemeinsam mit einem britischen Pärchen und so sitzen wir abends noch zusammen. Am nächsten Morgen starten wir für unsere Verhältnisse recht früh (8.30 Uhr) und schaffen es noch rechtzeitig in die Lagune der Sandfly Bay. Wir sind mal wieder so begeistert von der Natur und den ersten Seelöwen, die sich bereits auf manchen Felsen sonnen. Es soll allerdings noch besser werden.

„Das schaffen wir nicht. Der Wellengang ist zu krass.“

Wir machen eine längere Pause in der Bark Bay, denn es ist erst mittags und eine Bucht weiter ist bereits unsere Campsite. Gegen 14 Uhr bauen wir in der Mosquito Bay unser Zelt auf und paddeln weiter in Richtung Norden. Auf unserem Weg zu Onetahuti kommen wir an vielen Seelöwen vorbei. Manche sind richtig aktiv und schwimmen teilweise um unser Kayak herum. Wir können unser Glück kaum fassen. Einige haben uns Shag Harbour empfohlen und wir entscheiden, dort auch noch vorbeizuschauen. Als wir in der Bucht ankommen, die verwinkelt ins Landesinnere geht, gelangen wir aufgrund der Ebbe nicht sehr weit hinein. Wir warten also bis das Wasser genug gestiegen ist. Als wir uns auf den Rückweg machen, bläst uns schon gut der Wind entgegen und der Wellengang ist einiges rauer. Da finden wir es noch witzig. Bis wir den Schutz des Festlandes nicht mehr haben und quasi aufs offene Meer in die große Bucht von Onetahuti müssen. Der Wind bläst so stark in unsere Gesichter und die Wellen sind geschätzte 2 m hoch. Relativ schnell bekommen wir es mit der Angst z utun und müssen feststellen, dass wir nicht die Kraft haben, unter den Umständen den Weg zur Campsite zu paddeln.

Shag Harbour lohnt sich.

In Shag Harbour suchen wir zum einen Schutz und zum anderen Handysignal. Das ist nämlich so gut wie nicht vorhanden. Glücklicherweise finden wir eine Stelle mit etwas Empfang und kontaktieren unseren Kayakanbieter. Am letzten vorhandenen Stück Land können wir kurz aussteigen und uns etwas warmes zu essen kochen. Nach etwa 40 Minuten werden wir abgeholt und haben mehr Glück als Verstand gehabt. Der Mitarbeiter war überrascht, dass wir überhaupt noch auf See waren, da sie eigentlich empfehlen, bis 16 Uhr vom Wasser zu sein, weil dann keine Wassertaxis mehr fahren. Wir können nicht mehr sagen, ob wir es überhört haben oder es bei der Einweisung nicht gesagt wurde. Wir entschließen uns die Nacht auf der Campsite zu verbringen und am nächsten Tag auch die gesamte Strecke zurück zu paddeln. Die Briten hatten sich in der Zwischenzeit auch schon große Sorgen gemacht, immerhin hatten wir ihnen gesagt, wohin wir wollten.

Einmal von West nach Ost

Am nächsten Tag paddeln wir noch in eine andere Lagune, machen uns dann aber relativ schnell auf den Rückweg. Unsere Arme tun weh und der Schrecken steckt uns noch in den Knochen. Wir sind froh, als wir zurück beim Kayakanbieter sind und heiß geduscht haben. Den nächsten Vormittag gehen wir auf den Wochenmarkt in Motueka und gönnen uns Brezeln, Berliner und ja deutsche Wurst. Eine Deutsche ist dort wöchentlich mit ihrer Fleischbude und bietet unter anderem Bratwurst und Leberkäse an. Obwohl wir uns mittlerweile hauptsächlich vegetarisch ernähren, können wir daran nicht vorbeigehen. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Westport an der Westküste. Dort besuchen wir u. a. eine Seehunde-Kolonie.

Von Westport fahren wir nach Greymouth, eine weitere Traumstrecke auf der Südinsel. Es gibt verschiedene Aussichtspunkte entlang der Route und wir haben an dem Tag so klare Sicht, dass wir sogar die Berge und Mt Cook sehen können (vom Irimahuwhero Lookout, etwa 200 km Luftlinie). Vor allem der Stopp in Punakaiki lohnt sich. Es gibt einen schönen Wanderweg entlang des Pororari River. Das Highlight sind allerdings die sogenannten Pancake Rocks. Aufgrund ihrer Auswaschungen durch das Meer sehen sie tatsächlich aus wie ein Stapel Pfannkuchen. Der Rundweg führt entlang verschiedenen Blowholes, die uns sehr beeindrucken. Anschließend fahren wir über den Lewis Pass in Richtung Ostküste. Auf dem Pass selbst gibt es einen Nature Walk, der sich bei schönem Wetter lohnt (vor allem, wenn man sich etwas die Beine vertreten will).

Zurück in unserer Lieblingsbäckerei

An Christchurch fahren wir so ziemlich vorbei, da wir die zweite Januarwoche dort mit Freunden verbringen werden. Wir verbringen eine Nacht in Timaru. Entgegen der Beschreibung eines langweiligen, verschlafenen Städtchens finden wir es dort ganz cool. Die Campsite ist neben einem großen Parkgelände, auf dem gibt es im Hochsommer verschiedene Attraktionen wie Riesenrad, Parkeisenbahn, Minigolf usw. Ja, es ist etwas verschlafen, wir sind allerdings auch unter der Woche da. Nur wenige Minuten von unserem Schlafplatz entfernt, hat man abends die Chance eventuell die kleinen, blauen Pinguine zu sehen. Und wir haben Glück. Eine Handvoll der süßen Tiere kehren zu ihren Nestern zurück.

Am nächsten Morgen fahren wir über Fairlie und das McKenzie Basin nach Cromwell. In Fairlie halten wir wieder im Bakehouse. Insgeheim habe ich seit unserem ersten Besuch, die leckeren Pies und Kuchen vermisst. Und ich wurde wieder nicht enttäuscht. Vor allem ist es schön, die Seen nochmal im Sommer zu sehen, zumal sie dieses Mal durch das Gletscherwasser sehr türkis sind. Pirmin geht in Cromwell auf Jobsuche. Vorab haben sich die dortigen Farmer über fehlende Arbeitskräfte beschwert. Nur leider ist dem nicht mehr der Fall, als wir dort ankommen. Wir fahren kurz nach Queenstown, übernachten am südlichen Ende des Lake Wakatipu (ca. 30 min südlich der Stadt). Allerdings regnet es zu der Zeit immer wieder und so macht Wandern keinen Spaß.

Wanaka ist viel schöner als Queenstown

Wir fahren weiter nach Wanaka, da wir dort in die Puzzling World möchten. Dort gibt es u. a. ein großes Labyrinth und verschiedenste Kniffligkeits- und Logikspiele. An einem der grauen Tage verbringen wir einige Stunden dort. Auch wenn Pirmin am Ende vermutlich frustrierter herausgeht, da er einige der Rätsel nicht lösen konnte. Wanaka gefällt uns ziemlich gut und wir hätten uns vorstellen können, dort ein bisschen mehr Zeit zu verbringen. Zumal wir in der Nähe über Silvester auf einem Musikfestival arbeiten werden. Als Pirmin allerdings ein Jobangebot aus Motueka bekommt, entscheiden wir, wieder in den Norden zu fahren.

Und hier sind wir nun schon ca. 1,5 Wochen lang. Während Pirmin fleißig arbeiten geht, mache ich ein paar Spaziergänge und Erkundungen in der nahen Umgebung. Am schönsten sind die Wanderungen im Abel Tasman, denn an einem sonnigen Tag fühl ich mich sofort wie im Paradies. Manchmal habe ich mich tatsächlich selber in den Arm gekniffen, um sicher zu stellen, dass ich nicht träume. Wenn Pirmin in ein paar Tagen fertig ist, machen wir uns also langsam wieder auf den Weg nach Wanaka. Diesmal können wir uns zumindest mehr Zeit für die Westküste lassen und hoffen nur, dass wir sogar noch einen Sonnentag erwischen. Als wir die Strecke nämlich an einem Tag durchgefahren sind, war es so bewölkt, dass man nicht mal die Alpen sehen konnte.

Vermutlich ist das auch der letzte Blogbeitrag für dieses Jahr. Wir wünschen euch ruhige und erholsame Feiertage und ein gutes (oder sollen wir sagen ‚besseres‘?) 2021.

Viel Liebe aus Neuseeland

3 Kommentare bei „Liebe auf den ersten Blick – Neuseelands Südinsel“

  1. Hallo ihr Beiden, oder liebe fleißige Tine(dank dir können wir an euren Erlebnissen Anteil nehmen!!!), wie immer sitze ich fasziniert und begeistert vor dem Blog und weiß das kein Wort übertrieben ist…es ist einfach das Paradiese..und ihr dürft es erleben. Wir sind auch sehr dankbar, ein Teil von euren Hotspotts gesehen zu haben. In Anbetracht der Veränderungen hat es wohl noch einen viel höheren Stellenwert erhalten!!!! Genießt jeden Tag, genießt die gemeinsame Zeit. Es ist eine unwiederbringliche Zeit , die ihr gemeinsam erlebt. Auch die Treffen mit immer neuen alten Bekannten ist super. Ich beneide euch darum. Unser Leben ist so ruhig und kontaktarm geworden. Vielleicht schreibt auch Pimin wieder mal einen Blog, ich habe sie auch immer sehr gerne gelesen. Fühlt euch gedrückt und gegrüßt. Ma

  2. Wieder ein wunderbarer Beitrag in dieser bei uns etwas trostlosen Zeit. (Corona).
    Bei uns sind die Weihnachtstage vorbei mit Treffen unserer Kinder an verschiedenen Tagen.
    Deswegen ist es wunderschön das Ihr uns an Eueren Ausflügen teilnehmen lasst.
    Genießt weiterhin die gemeinsame Zeit, denn die Kommt nie wieder.
    In diesem Sinn seid lieb gegrüßt und gedrückt

    von den Grossoldis aus der Lausitz

  3. Hallo ihr zwei Lieben, wir (Oma und Opa inklusive) wünschen Euch erstmal auf diesem Weg von ganzem Herzen alles Gute für 2021.
    Wir sind, zusammen mit Lisa und Erwin, einem leckeren Essen, einer neblig-trüben-schneefallreichen Runde um den Berg, unter Absingen wüster Lieder, ruhig und gemütlich ins neue Jahr gestartet.
    Es liegt seit ein paar Tagen Schnee und fühlt sich richtig gut wie Winter an. Wir gehen jeden Tag raus und genießen den Schnee.
    Unsere Senioren im Haus haben sich sehr über den Beitrag und die Fotos von euch gefreut.
    Auch wir haben mit Freude und Spannung euren Beitrag gelesen. Vielen lieben Dank für’s mitnehmen !
    Geniesst weiterhin jeden Tag die wunderbaren Momente, die faszinierende Landschaft und zauberhaften Begegnungen.
    Mit herzlichen Umarmungen aus Aichen Mum und Thomas

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